Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien

BPjM auf der gamescom 2019 in Köln

Premiere hatte hierbei der Auftritt von BPjM und der Kommission für den Jugendmedienschutz (KJM) an einem gemeinsamen Stand.
Die Regelungen zum Jugendmedienschutz sehen eine enge Verzahnung der beiden Institutionen vor, die auch außerhalb der vorgesehenen Verfahren mit Leben gefüllt werden. Das im Verfahren angelegte Zusammenspiel hat zuletzt während der „gamescom-Woche“ zu einem weiteren Erfolg für den Jugendmedienschutz geführt. Die KJM hat kurz nach dessen Erscheinen die Indizierung des online-games „Berlin 1936“ beantragt. Die BPjM hat aufgrund der offensichtlichen Jugendgefährdung und des Beschleunigungsinteresse ein Eilverfahren eröffnet, um die Listenaufnahme vorläufig anzuordnen. Der Anbieter hat nach erfolgter Benachrichtigung das Angebot von der Plattform entfernt. Der Inhalt wurde in der erforderlichen Vorabprüfung als den Nationalsozialismus verharmlosend angesehen, da das Spiel in der Rolle Adolf Hitlers zu spielen war und massenhaft Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen inszeniert waren.
Die Indizierung hat eine wichtige Abschirmfunktion zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in jedem Einzelfall, da hierdurch die im Jugendschutzgesetz (JuSchG) vorgesehenen Rechtsfolgen ausgelöst werden. Die Funktion der Indizierung im digitalen Zeitalter geht jedoch weit darüber hinaus. Diese Funktion wurde den Besucherinnen und Besuchern der gamescom in zahlreichen Gesprächen erläutert. Und auch die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Franziska Giffey hat sich am Stand darüber informiert, was die Gamerinnen und Gamer in Bezug auf die Aufgaben der BPjM interessiert und bewegt. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ist eine Bundesoberbehörde, die zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gehört.
Die Bundesprüfstelle wurde im Jahr 1954 errichtet und hat seitdem in 39.352 Verfahren über die Aufnahme in sowie Streichung aus der Liste jugendgefährdender Medien und damit über Fragen einer sozialethischen Desorientierung entschieden, in den letzten 10 Jahren waren es 12.615 Verfahren. Jede dieser Entscheidungen enthält Erkenntnisse über den Grund der Jugendgefährdung, die Belange des Jugendschutzes, insbesondere, was genau die potenzielle Schädlichkeit ausmacht, die Belange der Kunst, worin die Rechtsstaatlichkeit zum Ausdruck kommt sowie die Abwägung zwischen kollidierenden Grundrechten, die Antworten auf die Frage „Was darf Kunst?“ gibt. Und genau darin liegt das Potential, um mit der Indizierung einen unverzichtbaren Beitrag zu einem intelligenten Chancen- und Risikomanagement zu leisten, welches die digitalen Kinderrechte auf Schutz, Förderung und Teilhabe sichert. Die Spruchpraxis der Bundesprüfstelle gibt Orientierung für Kinder und Jugendliche, Eltern und medienpädagogisch Tätige im Hinblick auf die inhaltebezogenen Gefahren.
Die gamescom war genau der richtige Ort, um allen Interessierten diese Orientierungshilfe in zahlreichen persönlichen Gesprächen zu geben. Auch wenn im Einzelfall eingangs Skepsis vorherrschte, war der Blick weg von der Einzelfallentscheidung, hin zu einer gesamtgesellschaftlichen Funktion einer sozialethischen Orientierung im Ergebnis überzeugend.
Um das Recht von Kindern auf unbeschwerte Teilhabe zu stärken braucht es dringend Antworten auf die Kommunikations- und Interaktionsrisiken, die durch die Mediennutzungsrealität von Kindern und Jugendlichen hinzugekommen sind. Eine Realität, in der die Tür zu einer mobilen, global vernetzten, virtuellen und integritätsangreifenden Welt mit dem Smartphone in der Hosentasche steckt. Der Schutz greift aber beispielsweise zu kurz, wenn der Inhalt eines games für Kinder keine Entwicklungsbeeinträchtigung erwarten lässt, es über die Chatfunktion aber zu Grooming kommen kann. Hierfür kann es keine Einzellösung geben, vielmehr braucht es einer Verantwortungsgemeinschaft, um dieser gesamtgesellschaftlichen Herausforderung zu begegnen. Die BPjM hat eine koordinierende Rolle für den Strategieprozess von Bund und Ländern „Digitales Aufwachsen. Vom Kind aus denken. Zukunftssicher handeln.“. Das Konzept der Gefährdungserhebung – Gefährdungsanalyse – Gefährdungsbegegnung wird im Rahmen der ZUKUNFSTWERKSTATT bei der BPjM umgesetzt.