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19.04.2018

„Jung Brutal Gutaussehend 3“ der Interpreten Kollegah und Farid Bang in der Zuständigkeit der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien

Bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) wurde aktuell ein Verfahren zur Überprüfung der Jugendgefährdung des Albums „Jung Brutal Gutaussehend 3“ der Interpreten Kollegah und Farid Bang angeregt. Damit ist ein Verfahren zur Entscheidung über eine Indizierung bei der BPjM anhängig.

Die Nominierung des Albums für den Musikpreis „ECHO“ führte zu einer öffentlichen Debatte um die Zulässigkeit der Nominierung vor dem Hintergrund konkreter Textzeilen des Albums. Die Verleihung des „ECHOS“ für das Album „Jung Brutal Gutaussehend 3“ in der Kategorie  Hip-Hop/Urban National hat schließlich einen breiten gesellschaftlichen Diskurs ausgelöst. Dabei geht es im Kern um Normen und Werte, die eine Gesellschaft für sich definiert, die dazu in Beziehung zu setzende künstlerische Freiheit und um gesellschaftliche Akzeptanz oder gar Anerkennung durch öffentlichkeitswirksame und –relevante Ausdrucksformen, wie vorliegend eine Preisverleihung.

Diese Debatte ist wichtig, da Gesellschaft selbst dafür Verantwortung trägt, geltende Normen und Werte immer wieder zu hinterfragen, zu bekräftigen oder weiterzuentwickeln. Diese Aushandlungsprozesse im Rahmen gesellschaftlicher Debatten und Diskurse führen im Ergebnis zu einer Grenzziehung, die wesentliche Grundlage für die Erfüllung des gesetzlichen Auftrages der Bundesprüfstelle ist.

Gesetzlich bestimmte Aufgabe der Bundesprüfstelle ist die Indizierung von Medien (Träger- und Telemedien), die geeignet sind, die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemein­schaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden. Die Entscheidung über eine Jugendgefährdung treffen ehrenamtlich besetzte und unabhängige Gremien. 

Die Bundesprüfstelle wird nicht von Amts wegen tätig. Für die Aufnahme eines Indizierungsverfahrens ist ein Antrag oder eine Anregung von einer Stelle erforderlich, die nach dem Jugendschutzgesetz (JuSchG) hierzu ermächtigt ist.

Bei der Entscheidung über eine Indizierung geraten regelmäßig Rechte mit Verfassungsrang in Widerstreit, der in jedem Einzelfall durch einen umfangreichen Abwägungsprozess zu entscheiden ist. Hierbei stehen sich regelmäßig Jugendschutz und Kunstfreiheit sowie Meinungsfreiheit gegenüber. Für die Entscheidung, welchem Recht im Einzelfall der Vorrang einzuräumen ist, muss definiert werden, inwieweit in den jeweiligen Belang eingegriffen wird.

Die Belange des Jugendschutzes werden definiert durch die Erziehungsziele, hinsichtlich derer in der Gesellschaft Konsens besteht und die aus den Grundwerten unserer Verfassung abgeleitet werden. Das verfassungsrechtlich verankerte Toleranzgebot ist Grundlage für eine antirassistische Erziehung sowie für eine Absage an jedwede Form von Diskriminierung. Die Demokratie als Lebens- und Gesellschaftsform fördert nicht zuletzt den Zusammenhalt in der Gesellschaft, Friedenserziehung soll befähigen, alle Gewalt fördernden Muster und Strukturen auch im eigenen Verhalten  frühzeitig wahrzunehmen und in konfliktlösendes Verhalten umzuwandeln.

Die Bundesprüfstelle berücksichtigt nachhaltige, nicht nur vorübergehende Entwicklungen dieser nur beispielhaft angeführten Werte und Normen in ihrer Spruchpraxis und spiegelt darüber in die Gesellschaft die Leitplanken für den Kinder- und Jugendmedienschutz bezogen auf konkrete Medieninhalte zurück.  

Die Bewertung der Jugendgefährdung und die Abwägung mit der Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit ist auch hinsichtlich der CD „Jung Brutal Gutaussehend 3“ der gesetzliche Auftrag der Bundesprüfstelle. Die Auszeichnung mit dem Musikpreis „ECHO“ hat hierauf keine Auswirkung.