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09.02.2018

Challenges im Internet können jugendgefährdend sein

Zuletzt medial viel diskutiert wurde  die sog. Tide-Pod-Challenge. Hierbei filmen sich zumeist Jugendliche dabei, wie sie Waschmittelkapseln in den Mund nehmen und diese dann zerbeißen bzw. lutschen. Das jeweils entstandene Bild- und Videomaterial wird  über die Sozialen Netzwerke und Messenger-Dienste mit anderen Personen geteilt.

Derartige „Challenges“ sind eine mediale Erscheinung, die in den letzten Jahren wachsende Beliebtheit im Internet genießt. Allgemein handelt es sich bei den Challenges im Internet um Herausforderungen, zu denen sich Menschen gegenseitig ermuntern. Durch ihre Verbreitung über  soziale Netzwerke entwickeln sie regelrechte Eigendynamiken. Prominentestes Beispiel ist hier wohl die sog. Ice-Bucket-Challenge, die zu einem guten Zweck gestartet wurde.

Im Rahmen der Spruchpraxis der Bundesprüfstelle spielten solche Challenges bislang noch keine Rolle, jedoch kommt eine Befassung der Bundesprüfstelle mit Challenges im Internet durchaus in Betracht.

Die Bundesprüfstelle nimmt Träger- oder Telemedien auf Antrag oder Anregung einer hierzu berechtigten Stelle in die Liste der jugendgefährdenden Medien auf (Indizierung), wenn sie geeignet sind, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden. Neben den im Jugendschutzgesetz genannten Fallgruppen kann die Bundesprüfstelle weitere Tatbestände der Jugendgefährdung in Medien verifizieren und Spruchpraxis hierzu entwickeln.

Als einen solchen Fall nimmt die Bundesprüfstelle nach ihrer gefestigten Spruchpraxis gerade auch solche Medien in die Liste auf, in denen selbstschädigendes Verhalten nahegelegt wird.

Betrachtet man das Phänomen der Challenges vor dem Hintergrund dieser  Spruchpraxis, bieten sich Anhaltspunkte dafür, dass im Einzelfall die Annahme einer jugendgefährdenden Wirkung nahe liegt.

Dadurch, dass Challenges häufig als eine Art Mutprobe inszeniert werden, besteht zunächst die Gefahr, dass hierdurch das Bild einer nachahmenswerten, positiven Erlebnissituation bei Jugendlichen hervorgerufen wird. Hinzu kommt, dass durch die netzwerkartige Verbreitung ein sozialer Druck entsteht, an der jeweiligen Challenge auch teilzunehmen, um „dazuzugehören“. Es findet somit – je nach Gegenstand der Challenge - eine Kultivierung selbstschädigenden Verhaltens statt.  Der Schutzzweck des Jugendmedienschutzes zielt dabei nicht primär auf die Verhinderung einer physischen Beeinträchtigung (z.B. Vergiftung), sondern auf die sozialethische Beeinflussung des Denkens, Handelns und Fühlens von Kindern und Jugendlichen in Bezug auf selbstschädigendes Verhalten, das einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeitsentwicklung widerspricht. In Anlehnung an die Spruchpraxis der Bundesprüfstelle kann die Persönlichkeitsentwicklung nicht losgelöst vom Kindeswohl gesehen werden, welches ganzheitlich das körperliche, geistige und seelische Wohl des Kindes umfasst.  

Hinsichtlich einer vertieften jugendschutzrechtlichen Bewertung und Grenzziehung in Bezug auf solche Phänomene können Indizierungsverfahren bei der Bundesprüfstelle Klarheit und Orientierung bringen, die nicht nur Grundlage für Aufsichtsmaßnahmen und präventive Maßnahmen sein können, sondern auch Anbieter Sozialer Netzwerke im Umgang mit solchen Phänomenen sensibilisieren.

Anträge und Anregungen zur Indizierung können über jede Behörde in Deutschland oder anerkannte Träger der freien Jugendhilfe initiiert werden. Eine vertiefende Aufarbeitung des Themas Challenges sowie Hinweise auf Melde- und Beratungsstellen hält die EU-Initiative klicksafe bereit: http://www.klicksafe.de/service/aktuelles/news/detail/gefaehrlicher-trend-challenges-im-netz/