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27.11.2017

Roman „Josefine Mutzenbacher – die Geschichte einer wienerischen Dirne, von ihr selbst erzählt“ aus Liste jugendgefährdender Medien gestrichen

Der Roman „Josefine Mutzenbacher – die Geschichte einer wienerischen Dirne, von ihr selbst erzählt“, Taschenbuchnummer 4290, in der Rogner & Bernhard-Fassung mit einem Anhang von Oswald Wiener wird aus der Liste jugendgefährdender Medien gestrichen.

Das Buch wurde mit Entscheidung Nr. 3262 vom 04.11.1982 (bekannt gemacht im Bundesanzeiger Nr. 214 vom 16.11.1982) in die Liste der jugendgefährdenden Medien aufgenommen.

Diese Indizierungsentscheidung wurde auf dem Verwaltungsrechtsweg überprüft und durch Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln (Urteil vom 18.10.1983, Az. 10 K 276/83), des  Oberverwaltungsgerichts NRW (Urteil vom 04.06.1985, Az. 20 A 146/84) sowie des Bundesverwaltungsgerichts (Urteil vom 03.03.1987, Az. 1 C 27.85) bestätigt.

Die Verfahrensbeteiligte erhob daraufhin Verfassungsbeschwerde. Mit Urteil vom 27.11.1990 (Az. 1 BvR 402/87) hob das Bundesverfassungsgericht die Indizierungsentscheidung sowie die dazu ergangenen Urteile der drei Verwaltungsgerichte auf.

Die Bundesprüfstelle entschied erneut über das Taschenbuch, das mit Entscheidung Nr. 4275 vom 05.11.1992 (bekannt gemacht im Bundesanzeiger Nr. 224 vom 28.11.1992) erneut indiziert wurde. Eine hiergegen gerichtete gerichtliche Überprüfung blieb erfolglos.

 Nach Ablauf von 25 Jahren verliert eine Aufnahme in die Liste ihre Wirkung. Die Indizierung des Taschenbuches „Josefine Mutzenbacher- die Geschichte einer wienerischen Dirne, von ihr selbst erzählt“ verliert mithin im November 2017 ihre Wirkung, weshalb über eine etwaige Folgeindizierung von Amts wegen zu entscheiden war.

Im Jahr 2014 wurde im Rahmen eines staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens der Tatbestand der Kinderpornografie nach § 184b des Strafgesetzbuches wegen des Überwiegens der Kunstfreiheit verneint. Diese materiell-rechtliche Entscheidung hat die Bundesprüfstelle in dem Verfahren über eine Folgeindizierung berücksichtigt, weshalb über eine einfache Jugendgefährdung zu befinden war. Die Bundesprüfstelle hat zur Ermittlung des Kunstgehaltes ein literaturwissenschaftliches Gutachten eingeholt, welches zu dem Ergebnis kommt, dass es sich aufgrund der literarischen und literaturwissenschaftlichen Wirkungsgeschichte um einen der wichtigen Texte der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts handele.

Das 12er-Gremium ging von einer zweifelsfrei gegebenen Jugendgefährdung aus. Nach einem intensiven Abwägungsprozess zwischen den Belangen des Jugendschutzes und den Belangen der Kunstfreiheit hat das Gremium basierend auf den durch das Gutachten belegten wissenschaftlichen Erkenntnissen, der Kunstfreiheit den Vorrang eingeräumt.