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17.10.2017

Stellungnahme der BPjM zum Thema Loot-Boxen

Die Bundesprüfstelle erreichen vermehrt Anfragen zum Thema Loot-Boxen.

Im Rahmen der Spruchpraxis der Bundesprüfstelle zu Videospielen gab es bislang noch keinen Anwendungsfall hierzu.

Die Bundesprüfstelle nimmt Träger- oder Telemedien auf Antrag oder Anregung einer hierzu berechtigten Stelle in die Liste der jugendgefährdenden Medien auf (Indizierung), wenn sie geeignet sind, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden. Neben den im Jugendschutzgesetz genannten Fallgruppen kann die Bundesprüfstelle weitere Tatbestände der Jugendgefährdung in Medien verifizieren und Spruchpraxis hierzu entwickeln.

Der Einsatz von Loot-Boxen in Videospielen wird im Kontext Glücksspiel, Begünstigung von Mediensuchtverhalten und Kostenfallen im Internet diskutiert. Bei einer sog. „Loot-Box“ handelt es sich um ein Spielelement. Der Spieler / Die Spielerin kann über einen kostenpflichtigen Erwerb spielrelevante Inhalte erwerben, welche z.B. den Spielcharakter aufwerten oder das Spielgeschehen durch andere Items positiv beeinflussen. Dabei erfolgt die Ausschüttung von nützlichen Items nicht vorhersehbar.

Im Unterschied zur traditionellen Spruchpraxis gehen bei Loot-Boxen die Risiken für Kinder und Jugendliche nicht primär vom konkreten Inhalt des Spiels aus, sondern von der besonderen Spielanlage. Dies ist nicht minder problematisch und stellt alle, die für ein gutes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen mit Medien Verantwortung tragen, vor neue Herausforderungen.

Für ein gutes Aufwachsen mit Medien darf die unterschiedliche Zuständigkeit für verschiedene Gefährdungslagen keine Rolle spielen, sondern muss vom Kind, respektive Jugendlichen aus gedacht werden und gesamtheitlich unter Beteiligung aller gesellschaftlich relevanten Akteure gelöst werden. Dies gilt nicht nur für das Thema Loot-Boxen, sondern auch für Fragen des Datenschutzes und Gefährdungslagen, die sich durch die Kommunikationsmöglichkeiten in Online-Spielen und Sozialen Netzwerken ergeben, wie z.B. Mobbing, die Anbahnung sexuellen Missbrauchs oder die Ansprache durch Extremisten.

Kinder und Jugendliche bedürfen gleichsam des Schutzes, der Förderung und der Ermöglichung von Teilhabe in Bezug auf ein gelingendes Aufwachsen mit Medien.

In der Bundesprüfstelle wurde im Juli diesen Jahres der neue Fachbereich „Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendmedienschutzes, Prävention, Öffentlichkeitsarbeit“ eingerichtet. Wir bereiten derzeit gemeinsam mit dem für das Jugendschutzgesetz zuständigen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Obersten Landesjugendbehörden einen kinder- und jugendpolitischen Strategieprozess vor, u.a. mit dem Ziel, die genannten Phänomene mit den relevanten Akteuren aufzuarbeiten und gemeinsam – gflls. auch gesetzgeberische – Schlussfolgerungen in Hinblick auf den Schutz und die Befähigung von Kindern und Jugendlichen zu ziehen. Dieser Prozess wird auch die Bewertungspraxis bei der Altersklassifizierung von Medieninhalten sowie die Indizierungspraxis der Bundesprüfstelle zum Gegenstand haben.

Wesentlich für die Bewältigung der genannten Herausforderungen sind darüber hinaus Aufklärung und die Vermittlung von Medienkompetenz.

In Bezug auf die Risiken bei Spiele-Apps sei auf das aktuelle Monitoring von jugendschutz.net und der Stiftung Warentest verwiesen http://www.jugendschutz.net/startseite/pressemeldung/ sowie allgemein auf die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Initiative „Schau hin!“ https://www.schau-hin.info/