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Fr 27.03.2009
Ergebnisse AG 2
Web 2.0 – Treffen wir uns "IRL"?
Schüler VZ, Cyber Bullying, Umgang mit persönlichen Daten
Moderation:
Herr Walter Staufer, BPjM
Referenten:
Herr Philippe Gröschel, StudiVZ/SchülerVZ (Jugendschutzbeauftragter)
Herr Markus Gerstmann, ServiceBureau Jugendinformationen Bremen
Für die Jugendlichen ist das interaktive Web 2.0 Bestandteil ihrer "realen" Welt: Sie treffen sich in Weblogs, Podcasts, Wikis oder Communities. Auffällig ist dabei die Sorglosigkeit im Umgang mit persönlichen Daten, das geringe Risikobewusstsein, aber auch die Arglosigkeit im Umgang mit Rechten anderer. In der Arbeitsgruppe diskutierten Anbieter (SchülerVZ), Jugendschützer, Medienpädagogen und jugendliche Nutzer/innen, ob und wie die Risiken minimiert werden könnten.
Herr Gröschel stellte zunächst die Community „SchülerVZ“ mit inzwischen 5 Millionen Mitgliedern vor (von 7 Millionen Jugendlichen insgesamt). Täglich kommen ca. 7000 hinzu, 50 % besuchen ihre Seite täglich, 80 % wöchentlich. 270 Millionen Fotos sind bereits hochgeladen, aktuell 700.000 Fotos pro Tag. Der Altersdurchschnitt der Nutzer liegt bei 16,15 Jahren.
Folgende Gefahrenquellen sind Gegenstand der Diskussion: Preisgabe persönlicher Daten, Cyber-Mobbing/Bullying bis hin zur sexuellen Belästigung, Grooming; Weitergabe jugendgefährdender Inhalte; Verletzung des Persönlichkeitsschutzes, Datenschutzes und des Urheberrechts.
Zum besseren Schutz von Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch oder Cyber-Mobbing hat SchülerVZ – wie Herr Gröschel ausführte – am 10.2.2009 die sieben Grundsätze der Selbstverpflichtung zum Jugendschutz "Safer Social Networking Principles for the EU" unterzeichnet. Außerdem kontrollieren sich die Nutzer selbst über die Funktion „Melden und Ignorieren“. Etwa 100 Beschäftigte, von insgesamt 200, bearbeiten die ca. 3000 täglich eingehenden Meldungen. Daneben gibt es von SchülerVZ Seiten für Eltern, Material für Lehrer und einen Verhaltenskodex, der mit Videoclips unterstützt wird, die von den Jugendlichen selbst gestaltet wurden.
Die DiskussionsteilnehmerInnen forderten von SchülerVZ eine Änderung der Grundeinstellung zum Privatsphären-Schutz, indem Daten prinzipiell nur für Freunde zugänglich sind und der Nutzer seine einzelnen Daten aktiv freigeben muss.
Die AGB’s von SchülerVZ sehen vor, dass lediglich Schülerinnen und Schüler Zugang zu der Plattform haben. Sollten Profile von Erwachsenen als sog. "ungebetene Gäste" entdeckt werden, werden diese von SchülerVZ sofort gelöscht. Dies geschieht in der Regel dann, wenn SchülerVZ von den "legalen" Nutzern informiert wird. In solchen Fällen benachrichtigt SchülerVZ die bzw. den Betroffenen per mail. In diesem Zusammenhang wurde seitens der Lehrerschaft und Polizei bemängelt, dass die Gefahr bestehe, dass sich ein rechtsfreier Raum entwickeln könne, der Strafverfolgung unmöglich mache. Entsprechend wurde auch die Frage einer Polizistin, was SchülerVZ bei Straftaten zu tun gedenke, innerhalb des Teilnehmerkreises sehr kontrovers diskutiert.
Herr Gerstmann demonstrierte mit jeweils 5 Jugendlichen der Thomasschule Leipzig, Jg.stufe 9 – 10, dass nicht nur durch Verbote oder dem "erhobenen Zeigefinger", sondern auch durch Gespräche die Medienkompetenz der Jugendlichen gestärkt werden kann. Bereits nach wenigen Fragen des Referenten, zeigten sich die Schülerinnen und Schüler als Experten im Umgang mit web 2.0. Dieser pädagogische Ansatz "Schülerexperte" wurde überwiegend positiv aufgenommen.
Dass Web 2.0. eine Herausforderung für den Jugendmedienschutz darstellt, die nur von allen Beteiligten gemeinsam zu bewältigen ist, zeigte sich in der Diskussion insbesondere am Thema "Cyber-Mobbing", wobei aus dem Teilnehmerkreis darauf aufmerksam gemacht wurde, dass teilweise Straftaten begangen werden, die dem Täter oder der Täterin als solche überhaupt nicht bewusst sind.
Herr Poli von jugendonline verwies abschließend auf die "Kampagne zur Sensibilisierung von Jugendlichen im Umgang mit persönlichen Daten im Internet". Sie startet am 27. April 2009 mit einer Fachtagung "Das Ende der Privatheit" an der Akademie Remscheid. Die Fachtagung will das Phänomen der unreflektierten Preisgabe persönlicher Daten bei jungen Menschen gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Datenschutz, Verbraucherschutz, Jugendschutz, Medienpädagogik sowie mit Vertreterinnen und Vertretern von Betreiberfirmen und Wirtschaftsverbänden und einer breiten Fachöffentlichkeit diskutieren und Strategien zur Sensibilisierung junger Menschen erarbeiten.



