Titelbild der Rubrik: Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien

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Soll ich meinem Kind Hip-Hop-Musik verbieten?

Nein! Die Hip-Hop-, Techno- und Skaterbewegung ist eine der größten Szenen in Deutschland und eine kreative, multikulturelle und integrative Jugendkultur.

Allerdings haben derzeit die größte Medienpräsenz Berliner Gruppen, die sich relativ kritiklos vieler Klischees bedienen, die im amerikanischen Hip-Hop vorgelebt werden – mit viel nackter Haut und einem frauenverachtenden Vokabular. Wenn diese Rapper aus Berlin dann von Jugendsendern und Printmedien crossmedial beworben werden, stellt die Medienwelt die Realität auf den Kopf: Die flächendeckend vorhandene kreative und vielfältige Hip-Hop-Szene wird nicht mehr wahrgenommen, eine verschwindende Minderheit bestimmt das negative Urteil über eine viel reichere Jugendkultur!

Der kreative Hip-Hop erfordert sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Diese ist auch eine entscheidende Voraussetzung für die gesellschaftliche Integration der in Deutschland lebenden Migrantinnen und Migranten. Gemeinsam zu rappen wird zur Motivation, die deutsche Sprache zu erlernen.

Die Hip-Hop-Kultur ist eine "glokale" Kultur: Sie ist global verbreitet und besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher lokaler Kulturen. Ein Beweis für die Authentizität eines Hip-Hoppers ist die Verbundenheit mit dem Heimatort. Bei Auftritten und in Battles gilt es, die eigene Crew und Heimatstadt zu repräsentieren. Dies ist aber zugleich die Chance, dass Migrantenkinder und –jugendliche über diese Identifikation das Gefühl entwickeln, hier zuhause zu sein.

Außerdem bietet Hip-Hop gute Ansätze zur Medienerziehung: Das zentrale Anliegen medienpädagogischer Arbeit mit Hip-Hop ist es, Jugendlichen positive, kreative und aktive Zugänge zu den Medien zu erschließen und für das Zusammenleben mit anderen Reflexionsprozesse anzustoßen, ihr Unrechtsbewusstsein zu entwickeln, sie für Ursachen von Diskriminierung und Gewalt zu sensibilisieren. In aktiven Medienprojekten (wie z. B. Hip-Hop-Workshops) lernen sie, Medien kritisch zu beurteilen und eigene kreative Formen des Umgangs mit ihnen zu entwickeln. Die Themen und Ausdrucksmittel des Hip-Hop sind vielfältig und multikulturell. Sie motivieren Jugendliche zum Einstieg, bieten aber zudem alle Elemente von einer Subkultur zur etablierten Kultur.

Aus diesen Gründen stellt sich nicht mehr die Frage: Hip-Hop, ja oder nein, sondern eher: Welche Art von Hip-Hop?