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Titelbild der Rubrik: Jugendmedienschutz: Medienerziehung

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Die Sprache des Hip-Hop

Ein eigener Jargon ist eines der Merkmale der Hip-Hop-Kultur. Für Menschen, die keinen Bezug
zu Hip-Hop haben, ist er oft schwer zu verstehen. Viele Begriffe sind Lehnwörter aus dem Englischen, denn als der Hip-Hop Anfang der Achtziger Jahre Deutschland erreichte, wurden viele Begriffe einfach übernommen.
Nachfolgend sollen einige Schlüsselbegriffe des Hip-Hop erläutert und die Fragen beantwortet werden, ob diese Codes verstanden werden und wie sie wirken.

"Ich fick dich!", ist einer der klassischen Hip-Hop-Ausdrücke, der Eltern empört.

  • ficken - (Verb) ist ein Synonym für "besiegen", aber auch schlagen/verprügeln - gegenteilig "Wir wurden gefickt" (wir wurden besiegt), auch als "erwischt" zu verstehen (wenn es z.B. um die Polizei geht). Der Battle wird als Imagination betrachtet, d.h. es wird die Umwandlung gewalttätiger Auseinandersetzungen in eine nicht gewalttätige künstlerische Form mit Hilfe der Battle behauptet.[1] Alles wird zum Spiel: Der Kampf, die Möglichkeit mit Hip-Hop Geld zu verdienen, die Inhalte.
  • Die auf den Tonträgern zu findenden unsittlichen Texte haben teilweise auch sexuell-erotischen Inhalt. Mit "ficken" wird in diesen Texten in vielen Fällen ein völlig respektloser Umgang mit Frauen beschrieben und der Eindruck vermittelt, Frauen seien bloße sexuelle Reizobjekte und Wegwerfware für den Mann. Oder als Steigerung der Jugendgefährdung: Die sexuelle Befriedigung des Mannes darf auch gegen den Willen der Frauen und Mädchen mit Gewalt durchgesetzt werden.
  • "Ficken" in der Bedeutung schlagen/verprügeln heißt nicht immer künstlerisch gewaltfrei. Es kann die reale Gewaltanwendung gemeint sein und nach Auffassung der Gremien ist auch "verbale" Gewalt generell geeignet, eine verrohende Wirkung auf Kinder und Jugendliche auszuüben, gerade bei drastischer Beschreibung.

Problematisch ist hierbei die unberechenbare Ambivalenz. Wird eine Jugendgefährdung vermutet, ziehen sich die Hip-Hopper auf die synomyme Bedeutung zurück. Dies ist erstens für die Konsumenten nicht nachvollziehbar und daher unzulässig, zweitens kann auch das Synonym jugendgefährdend sein.

Der o. g. Ausdruck ist kein Einzelbeispiel. So haben die Gremien der BPjM im Allgemeinen bei „Nigger“ den ironischen Gebrauch der Interpreten akzeptiert, allerdings auf ein Anreizen zum Rassenhass erkannt, wenn beispielsweise dazu aufgefordert wird, "Nigger" zu töten.

Hip-Hop Codes
Beispiele:
Atze - Freund, allerdings eher als Mitglieder einer Gang, mit denen man feiert und "Feinde" bekämpft. Dieses Wort wurde von der Berliner Rapszene geprägt und bedeutet ursprünglich soviel wie "Bruder". Herkunft findet sich im Alt-Berliner Dialekt.
Battle - (Subst.) von engl. battle: Schlacht; Kräftemessen zwischen zwei Gegnern, sowohl zwischen MCs als auch zwischen B-Boys, Sprayern und Beatboxen. Bewertet wird meist durch eine Jury oder das Publikum
Bitch (auch Biatch) - (Subst.) engl. bitch: Läufige Hündin; Schlampe, im Umgangston oft despektierlich für Frauen in Raptexten verwendet
biten - (fälschlicherweise häufig auch byten) (Verb) von engl. to bite: beißen; abkupfern, kopieren/nachahmen von Texten, Styles und/oder Flows anderer MCs oder Writer, wobei vorgegeben wird, die erbrachte Leistung sei ein eigenes Produkt
Crew - (Subst.) engl. Gruppe; Zusammenschluss von Freunden (z. B. Sprayer Crew oder Rap Crew)
damn - von engl. verdammt: heißt verflixt, wird aber ebenso im positiven Sinne verwendet, zum Beispiel verdammt geil
faker - (Subst.) von engl. fake: jmd. der vortäuscht, etwas zu sein oder zu können, ein Blender
Flow - (Subst.) von engl. fließen; bezeichnet das (perfekte) Zusammenspiel von Stimme, Beat, Melodie, Text und Aussprache des Rappers.
haten - (Verb) von engl. to hate: hassen; oft benutzter Ausdruck zwischen Hiphopern, hat weniger mit Hass zu tun, eher mit Neid. Haten meint grundloses Schlechtmachen.
Jam - (Subst.) Hip-Hop-Party
MC [aus dem englischen: master of ceremony] ist ein Rapper oder allgemein eine Person, die an einem Battle teilnimmt.
Nigger - (Subst.) Dieser Slangbegriff (im Jargon auch Nigga, Niggah oder Niggar) wird unter Schwarzen, vermehrt aber auch unter Weißen auf ironische Weise im Sinne von Freund, Kumpel oder "Atze" verwendet. Unter Rappern findet diese Bezeichnung häufig Gebrauch. Beim Battle-Rap kann damit jedoch auch der Gegner auf provozierende, aber auch ironische Art und Weise bezeichnet werden.
Pimp - (Subst.) von engl. Zuhälter; Bezeichnung für einen Gangsta-Rapper.
Skills - (Subst.) Fähigkeiten im Umgang mit der Sprühdose, dem Mikrofon, den Turntables etc.
tight - (Adj.) von engl. tight: eng, fest, gut. Wird immer in Bezug auf einen Künstler der Szene oder dessen Produkt verwendet und heißt soviel wie saugeil. Im Slang mancher Künstler der Szene steht dieses Wort jedoch auch als Synonym für betrunken oder breit.
Yo - Grußformel, kollegial. Dient mitunter auch als Substitut für das Wort Ja oder einfach nur als Füllwort, z.B. wenn ein Rapper anfängt zu rappen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hip-Hop-Jargon (aufgesucht am 08.5.08)

Jugendkultur hat schon immer ihre eigenen Begriffe geprägt, die dann oftmals in die Umgangssprache eingehen. Allerdings ist dies ein langsamer Prozess, in dem Sprache auch Ausdruck eines Wertewandels ist.

Hip-Hop-Codes sind als Szenesprache nicht zu verhindern. Die Gremien der Bundesprüfstelle haben sich mit der Tatsache, dass Rap-Texte eine andere, szenetypische Bedeutung haben können und mit möglichen Auslegungsalternativen auch intensiv auseinandergesetzt. Da die Wortbedeutungen jedoch mit dem allgemeinen Sprachgebrauch nicht übereinstimmen, ja sogar Grundwerte verletzen, kommen die Gremien aber angesichts konkreter Formulierungen in der Regel zu der Auslegung, dass in den Liedtexten körperliche Gewalt oder sexistisches, rassistisches Handeln besungen wird.

Ironie, Satire, Kritik, Transfer sind Stilmittel, die Kinder noch nicht verstehen und Jugendliche immer weniger beherrschen. Die Behauptung, sie könnten die Codes in ihrem übertragenen Sinn richtig einordnen, trifft nicht zu. Hip-Hop-Codes sind kein gesellschaftlicher Schonraum, ihre Übertragung trifft auf keinen gesellschaftlichen Konsens. Frauendiskriminierung, Anreizen zu Gewalt und Verherrlichung von Drogenkonsum müssen jedoch sanktioniert und erzieherisch behandelt werden. Machen Sie Ihren Kindern deutlich, dass Sie diese Grenzüberschreitung weder im Handeln noch in der Sprache dulden.

Weitere Weblinks:
Hip-Hop-Lexikon: http://www.beepworld.de/members4/godfather151084/
Lexikon der wichtigsten Ausdrücke der Hip-Hop-Kultur: http://www.k-web.ch/funline/hiphop/lexikon.html
The Rap Dictionary, älteste und größte Quelle für Hip-Hop-Slang (englisch): http://www.rapdict.org/Category:Terms

[1] Elflein, Dietmar, Aggro Berlin: 100 Prozent deutscher HipHop, in: Journal der Jugendkulturen 12/2007. S. 16f