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Titelbild der Rubrik: Jugendmedienschutz: Medienerziehung

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Hip-Hop: Aktive Medienarbeit vor Ort

Moderne Lebensformen und die Vielfalt der Medienwelt machen es unumkehrbar nötig, dass Kinder und Jugendliche immer früher lernen selbst sinnvoll mit den Medien umzugehen und sie verantwortungsvoll zu nutzen.

Hip-Hop begeistert Jugendliche nicht nur auf der ganzen Welt, sondern er bringt sie auch dazu, selbst aktiv zu werden, Texte zu schreiben und vorzutragen, in Reimen und Versen zu improvisieren. Um das verstehen zu können, ist ein Blick notwendig hinter die Oberfläche aus Provokation, Grenzüberschreitung und Marketing. Der Weg geht zurück zu den Ursprüngen, zurück in die Jugend- und Kulturzentren, denn hier wird Hip-Hop unvermindert praktiziert, trotz aller Vermarktungsstrategien. Im Abseits des öffentlichen Interesses entstehen die interessanten Texte, Stile und Ideen, hier bewahrt und erneuert sich HipHop mit jeder neuen Rappergeneration.

Das zentrale Anliegen medienpädagogischer Arbeit mit Hip-Hop ist es, Reflexionsprozesse bei Jugendlichen anzustoßen, ihr Unrechtsbewusstsein zu entwickeln, sie für Ursachen von Diskriminierung und Gewalt zu sensibilisieren und ihnen positive, kreative und aktive Zugänge zu den Medien zu erschließen. Jugendliche können zwar geschickt mit den neuen Medien umgehen, häufig fehlt es ihnen aber noch an Wert- und Normmaßstäben, um die Inhalte angemessen einzuschätzen und eine eigene wertorientierte Position entwickeln zu können. In aktiven Medienprojekten (wie z.B. Hip-Hop-Workshops) lernen sie Medien kritisch zu beurteilen und eigene kreative Formen des Umgangs mit ihnen zu entwickeln.

  • Die nachfolgenden Beispiele sind Ausschnitte aus der großen multikulturellen und integrativen Hip-Hop-Jugendkultur.
  • Sie sollen anregen die lokale Hip-Hop-Szene zu entdecken und einzuschätzen und Kinder und Jugendliche in einer reichhaltigen und kreativen Freizeitgestaltung mit Hip-Hop-Musik zu unterstützen.

Beispiel 1 Köln - Urban Culture Aktionstage mit Def Benski und Co.
HipHop-Stars im Jugendzentrum - gibt's das? Das Projekt "Urban Culture: Für Integration in Gesellschaft, Bildung und Arbeitswelt" macht es möglich. Der Rapper Def Benski von der erfolgreichen Kölner HipHop-Formation "Die Firma" kommt gemeinsam mit JFC-Videoreferenten, führte Gespräche mit den Jugendlichen und nimmt mit ihnen Songs und Videos auf.

Seit 2005 ist das JFC Medienzentrum der deutsche Partner im internationalen ROOTS&ROUTES-Netzwerk zur Förderung junger Tanz-, Musik- und Medientalente aus den multikulturellen Vierteln europäischer Großstädte. Mit Förderung der Aktion Mensch und des EU-Programms LEONARDO konnte vom 15.7.-4.8.2007 erstmals ein dreiwöchiger Sommerkurs für 22 junge KölnerInnen realisiert werden. Die 14- bis 24-jährigen bekamen Unterricht bei Profis wie "You Can Dance"-Star Eva Nitsch, Marla-Glen-Backgroundsänger Jimi Renfro und TV-Total-Kameramann Jörg Schürmann.

Zwölf eigene Songs wurden entwickelt, drei Choreographien eingeübt und etliche Videos produziert. Auch das Kultur- und Medienbusiness und Berufsorientierung waren Teil des Curriculums. Als Höhepunkte gab es dann Masterclasses bei Reggaestar Nosliw und Rapper Def Benski (Die Firma) sowie Auftritte auf den Festivals S.O.M.A. (Köln) und Juicy Beats (Dortmund). Außer in Deutschland läuft das Projekt auch in Finnland, Frankreich, England und den Niederlanden.[1] Insgesamt 40 solcher Aktionstage werden jährlich in verschiedenen Jugendeinrichtungen und Schulen im Großraum Köln durchgeführt. Wer einen solchen Urban Culture Aktionstag in "seine" Einrichtung holen möchte, der melde sich bei
http://jfc.info/roots (externer Link)

Köln: „ROOTS & ROUTES“
bietet Projekte für Nachwuchskünstler in den Bereichen Musik, Tanz und Video/Film an. Folgende Projekte stehen zur Auswahl:

  • R&R COLOGNE - Workshops & Clubauftritt
    Einwöchige Workshops mit Profis, bei der Sänger, Rapper und eine Band Songs schreiben und im Studio aufnehmen; Tänzer neue Tanzstile lernen und eine Bühnenshow erstellen; die Videogruppe Interviews, Videofeatures und Musikvideos produzieren.
  • R&R EXPERIENCE - International Creative Residency
    ihr entwerft mit Choreographen und jungen Künstlern aus ganz Europa eine interdisziplinäre Bühnenshow - bestehend aus Musik, Tanz und Medienelementen - die im Rahmen eines Kulturfestivals aufgeführt wird.
  • R&R ACADEMY - Ausbildung zum Nachwuchscoach

http://www.rootsnroutes.eu/home (externer Link)

Beispiel 2 popUp NRW - Förderprogramm für junge Musiker und Bands
"popUP NRW" wurde 2005 als ein ganzjähriges Förderprogramm konzipiert, das Coaching- und Workshopeinheiten mit Liveperformances und Wettbewerbselementen verbindet und vor allem auf Nachhaltigkeit angelegt ist.
popUP NRW« ist ein ganzjähriges Förderprogramm für auftrittserfahrene junge Musiker und Bands aller Stilrichtungen aus NRW. Das landesweit größte Rock’n’Pop-Förderprojekt verbindet Coaching- und Workshopeinheiten mit Liveperformances und Wettbewerbselementen und ist vor allem auf Kontinuität angelegt.
Ab 2010 wird der Rhythmus umgestellt und die Bewerbungsphase erstmals im März eröffnet. Acht ausgewählte Acts nehmen im Juni am »popUP NRW« Weekend teil, um dort wertvolle Szenekontakte zu knüpfen und in Live-Konzerten und Workshops wichtige Orientierungshilfen zu erhalten. An diesem Wochenende werden vier Gruppen für die anschließende MasterClass ausgewählt. Sie bekommen die Chance, ein Jahr lang von den erfahrenen Trainern und Profimusikern Simon Novsky und Ulf Stricker begleitet und bei der individuellen Konzept- und Profilentwicklung unterstützt zu werden.
Intensive Workshopprogramme sowie Live-Gigs auf renommierten Sommerfestivals runden das Förderprogramm ab.
http://www.nrw-kultur.de/projekte/projekte/popup-nrw/info.html (externer Link)

Beispiel 3 "Rap für Q-rage" - Contest von Schule ohne Rassismus: Zum Umgang mit Gangsta-Rap - Offene Diskussion statt Verbot
"Rap-Musik ist seit Jahren das beliebteste Medium der Kommunikation unter Jugendlichen. Wie bei allen Kunstformen buhlen auch in diesem Bereich Künstler mit gezielter Provokation um Aufmerksamkeit. Kommerziellen Erfolg garantieren im Augenblick Texte mit rassistischem, gewaltverherrlichenden, obszön-frauenfeindlichen und homophoben Inhalten. 'Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage' verfolgt diese Entwicklung mit Sorge. Dennoch halten wir die Forderungen nach Verboten von Songtexten und Auftrittsverboten für bestimmte Künstler für wenig sinnvoll. Die Erfahrungen der Vergangenheit lehren: Solche Maßnahmen fördern die Selbststilisierung der Künstler als Bürgerschreck und vermeintliche Opfer einer bürgerlichen Spießigkeit." [2]

"Rap für Q-rage" - Contest von Schule ohne Rassismus: "Die Freiheit der Kunst ist auch dort zu verteidigen, wo einem die Inhalte nicht passen mögen. Denn wo sollen sonst die Grenzen für weitere Verbotsforderungen für Publikationen, Theaterstücke, Karikaturen gezogen werden?" [3], so die Projektleiterin Sanem Kelff. Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage (SOR-SMC) ist überzeugt, dass menschenverachtende Texte und Haltungen am wirksamsten mit einer lebendigen und kontroversen Debatte unter Kindern und Jugendlichen selbst bekämpft werden können. „SORSMC ruft deshalb Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer dazu auf, sich offensiv in die Diskussionen einzumischen und sich mit den Texten und den dahinter stehenden Haltungen auseinanderzusetzen. Wir rufen Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland dazu auf, an "Rap für Courage" teilzunehmen und zu zeigen, dass guter Rap und HipHop ganz ohne menschenverachtende Inhalte begeistern kann."[4] Alle BewerberInnen werden zur Vorauswahl eingeladen und können sich für den jetzt jedes Jahr stattfindenden Contest qualifizieren.
http://www.schule-ohne-rassismus.org/ (externer Link)

Beispiel 4 Die HipHop Akademy Hamburg
"Die HipHop Academy Hamburg ist das erste, umfassende Non-Profit Projekt zur Entdeckung und Förderung junger Talente aus der internationalen HipHop Community der Stadt.
Für alle Hamburger Jugendlichen, die zwischen 13 und 18 Jahre alt sind und sich vorstellen können,

  • ihre Kreativität in diversen Bereichen der HipHop Kultur zu entfalten
  • HipHop Kultur nicht nur mitzumachen, sondern selbst aktiv zu gestalten
  • für ihre Ideen und an ihrem Talent hart zu arbeiten
  • mit HipHop einen Weg zu finden, ihre Meinung zu sagen und ihrer Umwelt zu zeigen, was sie denken und fühlen

bietet die HipHop Academy Hamburg die Möglichkeit, HipHop nicht nur als Berufung zu sehen, sondern auch als Beruf zu ergreifen."[5]

Die HipHop Academy Hamburg - gegründet 2007 - hat das Ziel, langfristig und kontinuierlich ein professionelles Angebot zur Entdeckung, Förderung und Ausbildung zukünftiger HipHop Künstler in Hamburg bereit zu stellen. "Alle Trainer kommen aus der Szene und vermitteln systematisch die Grundlagen und Specials für Breakdance, Nustyle, Beatbox, Rap, DJing und Producing. Die HipHop Academy Hamburg führt viele Veranstaltungen durch, um das Erarbeitete auch auf die Bühne zu bringen. Von den Battles für die Aufnahme am Sommercamp, über HipHop Showcases, bis zu den Crewbattles, können die Teilnehmer on stage zeigen, was sie drauf haben."[6]
http://www.hiphopacademy-hamburg.de/index.php (externer Link)

Die HipHop Academy ist ein Projekt des "kulturpalast im Wasserwerk e.V." dem Stadtteilkulturzentrum in Hamburg Billstedt. Er wurde 2007 mit dem INVENTIO Preis des Deutschen Musikrates für innovative musikpädagogische Projekte ausgezeichnet.
http://www.kultur-palast.de/kulturpalast/ziele.php (externer Link)

Beispiel 5 Blechbeat Studioworks/professionelle Studioarbeit für und mit Jugendlichen
"Jugendliche mit einem hohen Grad an Negativerfahrungen erleben erstmalig Anerkennung und Erfolg. Der 'Rap' als spielerische Auseinandersetzung mit der Sprache hat 'Botschaft-Charakter'. Der Jugendliche beteiligt sich, hat etwas zu sagen u. formuliert es nach außen. Dabei soll die Musik als Sprachrohr begriffen werden u. auch den Anspruch haben, Musik mit Niveau (keine Vulgärsprache) zu machen. Es hat sich gezeigt, dass die Studio-Arbeit ein hervorragendes Lernfeld für selbstbestimmtes Handeln und somit persönlichkeitsbildend ist. Es fördert Softskills wie Zuverlässigkeit, Kontinuität, Konzentration und Teamarbeit. Zufriedenstellende Ergebnisse können relativ zeitnah erstellt werden u. wirken somit motivierend."[7]

Das Studio-Projekt ist eingebettet in ein Gesamtprofil des Jugendclubs Blechkiste Harburg, in dem die Musik der Jugendlichen insbesondere der Hip-Hop in seinen verschiedenen Ausprägungen im Vordergrund steht (Tanz, DJing, Rap, Producing). Leider sind diese Projekte aus der staatlichen Zuwendung nicht zu finanzieren.
http://www.sponsoren-fuer-hamburg.de/index.php/blechbeat-studioworks--professionelle-studioarbeit-fuer-und-mit-jugendlichen (externer Link)

Beispiel 6 Das Medienzentrum CLIP Berlin "Wertevermittlung ist in die Arbeit integriert"
Auch für Berlin gilt: Der die Massenmedien dominierende "Porno- und Gangsta-Rap" aus Berlin ist nicht die Masse. Das Medienzentrum im Berliner Stadtteil Schöneberg steht als Beispiel für eine Vielzahl ähnlicher Einrichtungen in Deutschland. Das CLIP arbeitet als offene Kinder- und Jugendeinrichtung und bietet im offenen Türbereich den Besuchern die Möglichkeiten zum Spielen und Zeitvertreiben. Man kann im Internet surfen, Fußball spielen, herumhängen, Musik hören oder eines der vielen anderen Angebote nutzen.

Und gerade in der alltäglichen Arbeit dieser Einrichtung findet über die Freude der Jugendlichen an der Musik, über die Begeisterung am Hip-Hop Medien-Erziehung, Wertevermittlung und Integration statt. Im Musikkeller haben Anfänger-Bands die Möglichkeit allein oder mit Anleitung eigene Stücke zu komponieren, Programm- und Demotapes zu erstellen oder selbständig zu proben. "Wenn wir mit Jugendlichen Texte verfassen, Musik machen, um mit wenig Aufwand eine CD aufnehmen, ist klar, dass über die Texte diskutiert wird, dass jugendgefährdenden Inhalte keine Chance haben", sagt der Leiter des CLIP. [8]

"Die Wertevermittlung ist in die technische und inhaltliche Arbeit integriert. Und es funktioniert, weil das Ziel ja ein Produkt, eine CD ist, mit der man sich präsentieren will." Bei Bedarf werden auch Auftritte zu verschiedenen Veranstaltungen vermittelt.

Bundesweit bekannt geworden ist das CLIP als Dieter Baacke Preisträger durch das Projekt "Weltensichten" mit behinderten und nicht behinderten Jugendlichen der Finkenkrug-Schule.
http://www.medienzentrum-clip.de/ (externer Link)

Beispiel 7 HipHop Grenzenlos
"HipHop Grenzenlos - Beatbox, Rap, Breakdance und DJing" ist ein deutsch-tschechischer HipHop-Workshop in Ústí nad Labem von "Cultures-Interactive - Verein zur interkulturellen Bildung und Gewaltprävention e.V." Er findet jährlich mit unterschiedlichen Trägern statt. An drei Tagen erproben und entwickeln 50 Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten im Breakdance, als DJs, Rapper oder im Human Beatbox. Dazu eingeladen werden die regelmäßigen BesucherInnen des Jugendklubs, überwiegend Roma, und junge Interessente aus der Stadt und der Umgebung.

Cultures-Interactive - Verein zur interkulturellen Bildung und Gewaltprävention e.V. bietet bundesweit "Mobile Projekttage" an für Schulen, Berufs- und Weiterbildungsschulen sowie Jugend- und Kulturenzentren und berät über Gestaltungsmöglichkeiten und nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten vor Ort.
Themen sind Demokratie, Toleranz und jugendkulturelle Vielfalt stärken - Skateboarding, Techno / Elektronic Beatz, HipHop, GirlPower, Gothic, Hardcore, Punk, Metal. Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene ab 13 Jahren, realisierbar sind Projekttage mit bis zu 200 TeilnehmerInnen und 20 WorkshopleiterInnen.

"Ziele der Arbeit von Cultures-Interactive:

  • Interkulturelle Integration und jugendkulturelle Vernetzung
  • Stärkung von demokratischen, weltoffenen Haltungen in der Arbeit mit Jugendlichen
  • Förderung von sozialen und kreativen Kompetenzen
  • Prävention von Gewaltbereitschaft, Rechtsextremismus und Fundamentalismus
  • Förderung jugendkultureller Vielfalt im Gemeinwesen"[9]

"'Wer ist hier Aggro?' Frauenfeindliche, homophobe und Gewalt verherrlichende Tendenzen im HipHop" ist ein Titel der Erwachsenen- und Multiplikatorenfortbildungen von Cultures-Interactive. Ziel ist, Erwachsenen, die mit Jugendlichen und Jugendkulturen zu tun haben, fundierte Einblicke über vielfältige Erscheinungsformen und politische Ausrichtungen zu geben sowie über kommunale Probleme und pädagogische Potentiale von Jugendkulturen zu diskutieren.
http://www.cultures-interactive.de/ (externer Link)

Beispiel 8 Stuttgart - Kooperationsprojekt Streetdance-BW
Stuttgart ist die Wiege des deutschen Hip-Hop. "Angespornt durch amerikanischen Hip-Hop fingen Ende der Achtziger Jahre vier Jungs aus Stuttgart an, Musik zu machen. Auf Schulpartys traten sie als "Terminal Team" auf und rappten englische Texte. Schließlich kamen sie auf die Idee deutsche Texte zu singen und gründeten 1989 die erste deutsche Hip-Hop-Band "Die Fantastischen Vier" (Fanta 4). Das erste Album "Jetzt geht's ab" brachten sie 1991 auf den Markt. Den richtigen Durchbruch schafften sie dann 1992 mit der Single "Die da!?!" und dem Album "Vier gewinnt". Wie in diesem Text ging es den "Fanta 4" vor allem um den Wortwitz und das Spielen mit der deutschen Sprache."[10]

Welche Breitenwirkung der Hip-Hop inzwischen erreicht hat, zeigen dutzende von Tanzschulen, Fitnessstudios und Vereine, die Hip-Hop im Programm haben. Im Sog der bekannten Stuttgarter Bands "Fantastischen Vier" oder "Freundeskreis", entstanden viele Projekte: Mit dem Ziel, eine innovative Form für verbesserte Kooperation und Vernetzung unter Tanzgruppen, Trainerinnen und ContestinitiatorInnen in Baden- Württemberg zu schaffen, haben sich 2005 engagierte Pädagoginnen aus der Jugendhilfe zusammengeschlossen. Gemeinsam mit den Erfahrungen aus dem Projekt multiline.de wurde die Plattform entwickelt und umgesetzt. Das landesweite Kooperationsprojekt Streetdance-BW, ist seit 2006 online, bietet vielen Tanzgruppen sowie Interessierten die Möglichkeit, sich über Contests, Termine sowie die Berichte zu den Events auszutauschen, eigene Beiträge einzustellen und sich über die Szene zu informieren. Und es geht auch ohne Pornos und gewaltverherrlichende Texte. Der Terminkalender bietet für jedes Wochenende etwas, u.a. "Dance for Tolerance" der grenzüberschreitende Street-Dance/Hip Hop Contest D - CH - F. Der Wettbewerb ist für Tänzerinnen und Tänzer von 10 bis 21 Jahren aus Jugendtreffs, Vereinen und Schulen.
http://www.streetdance-bw.de/ (externer Link)

Beispiel 9 München - WestEndOpera - Die authentische HIPHOPERA aus München
Auf der Hip-Hop-Karte Deutschlands ist München nur mit einem kleinen Punkt markiert - kein Vergleich zu den großen Hip-Hop-towns Hamburg und Stuttgart. In München ist Hip-Hop vor allem als professionelles Freizeitangebot zu finden. Aber München hat ein Projekt hervorgebracht, das die integrativen Hoffnungen der genannten Beispiele noch steigert: WestEndOpera - Die authentische HIPHOPERA aus München

Die Vorgeschichte: "Auf wundersame Weise entwickelt jede Generation eigene (...)Ausdrucksformen ihrer ureigensten Gefühle und Wünsche: musikalisch, tänzerisch, theatralisch und - per Graffiti - sogar im hehren Hort der bildenden Kunst."[11]

Eine Idee lag also in der Luft und hieß: die erste "HIPHOPERA". Der Gedanke, Jugendliche für eine HipHop-Oper zu casten, entstand Ende 1996 nach einer erfolgreichen Researchphase in 40 Münchner Jugendeinrichtungen. Die Jugendlichen sollten in alle Bereiche einer Bühnenproduktion eingebunden werden, professionell unterstützt und gecoacht. Der Inhalt des zu schreibenden Werkes lag auf der Hand: die Lebensrealität der Jugendlichen selbst und ihre musikalisch-ästhetisch geprägte Welt, die HipHop-Kultur.

Im Herbst 1997 qualifizierten sich 40 Jugendliche für die Teilnahme an diesem Projekt. 1998 bot die "WestEndOpera-Schule" Kurse in den Bereichen Tanz, Stimmbildung, Bühnenpräsenz, körperliche Fitness und Kondition an mit dem Ziel, zunächst ein semiprofessionelles Niveau des Ensembles zu erreichen. Gleichzeitig entstanden Text, Musik, Dokumentations- und PR-Materialien. Profis führten die Jugendlichen in alle Bereiche des Bühnen- und Kostümbilds, der Requisite und Maske ein. Im September 1998 kam der entscheidende Schritt: Vollprofessionalisierung und Start der Operninszenierung. Im April 1999 wurde in verschiedenen Stadtteilen Münchens eine Serie von "Try-Outs" präsentiert, daran schlossen Weltpremiere und eine 2-jährige Deutschland- und Europa-Tournee an.

"Das aktuelle Ensemble besteht aus 26 jungen Erwachsenen unterschiedlichster Ethnien zwischen 17 und 32 Jahren, die aus 12 verschiedenen Ländern kommen. Die kulturellen und sozialen Unterschiede und Gegensätze werden durch das gemeinsame Ziel überwunden, ihr eigenes Leben authentisch auf die Bühne zu bringen. Daraus resultieren ein Höchstmaß an persönlicher Identifikation und eine geballte Ladung vitaler Energie für kraftvolle Choreographien, Gesangs- und Rap-Nummern, Street- und Breakdance, Skating, Graffiti- und Video-Art, die ein hochspannendes Bild der Jugend im Übergang zum neuen Jahrtausend zeichnen."[12]

Die WestEndOpera ist ein Projekt von IMAL des "Kontrapunkt e.V. - Jugend Kunst Kultur" in Zusammenarbeit mit verschiedenen Referaten der Landeshauptstadt München und dem Arbeitsamt München. Die Teilnahme ist kostenlos.
http://www.kontrapunkt.muc.kobis.de/weo/index.html (externer Link)

IMAL - international munich art lab: Innovative Jugendbildungsarbeit
Die Materialien von IMAL eignen sich für die schulische und außerschulische Arbeit. IMAL realisiert ästhetische Jugendarbeit auf hohem künstlerischen Niveau verzahnt mit Berufsfindung und Qualifizierung in zukunftsorientierten Berufsfeldern.

Das Projekt "Hiphopera" zeigt, so Ulrich Gläss, der Projektleiter:

  • Die Subkultur Hip-Hop trägt alle Elemente großer Bühnenkunst in sich,
  • Die Jugendlichen kommen aufgrund ihres Interesses und ihrer Begabung zu dem Projekt - vom Hauptschüler ohne Abschluss bis zum Abiturienten,
  • sie arbeiten zwei Jahre, indem sie in ihren Stärken ernst genommen werden,
  • Jugendliche, die aus der Schulbildung herausgefallen waren, werden team- und arbeitsfähig,
  • Die Projekte vereinen lebensweltliche Erfahrung der Jugendlichen zu künstlerischer Produktion und persönlicher Qualifikation,
  • 430 Jugendliche waren in 10 Jahren in den künstlerischen Produktionen eingesetzt und haben über diese Referenz zur Berufstätigkeit gefunden: 10 % verbleiben in künstlerischen Berufen wie Bühnenbildner, Bildhauer, Kunstschmied; 90 % finden eine herkömmliche Arbeit z. B. als Arzthelferin, VerkäuferIn oder Rechtsanwaltsgehilfe.[13]

Bisher stehen 5 DVDs zur Verfügung, die jeweils den gesamten Prozess dokumentieren: 

  • "System Error -verliebt und arbeitslos" - Musicalproduktion 2007
  • "Statt der Angst" Eine futuristische Geschichte über eine Gruppe junger Außenseiter
  • "EXtase" Die verzweifelte Suche nach dem Glück
  • "WestEndOpera" Die erste HipHop Opera München
  • "IMAL International Munich Art Lab 1997 - 2006"
    http://www.imal.info/ (externer Link)


Beispiel 10 Hip-Hop Mobil Berlin - Wenn der Sozialarbeiter nicht mehr weiter weiß
Das Hip-Hop Mobil ist ein Jugendprojekt des Arbeitskreises Medienpädagogik e.V., gefördert von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport. "Uns gibt's seit 1993. Unsere Stichworte sind DJing, Musikproduktionen, Jugendband, Tonstudio, Grundlagen Studiotechnik, Breakdance, Graffiti, Seminare, Workshops, Projekttage, Projektwochen, Jugendaustausch, Jugendbegegnung, Unterrichtsprojekte ..."

"Wir sehen uns u.a. als "Dienstleister" für Schulen und Jugendeinrichtungen, wenn die auf die Idee kommen, Hip-Hop mit "ihren Kids" machen zu wollen, aber einsehen, dass sich das nicht so leicht beibringen lässt, wenn man es selbst nicht kann. (...)

Wir machen keine offene Jugendarbeit, sondern geben unser Wissen und Können in Sachen Rap, Breakdance, DJing und Graffiti weiter. Dabei kommt es uns vor allem darauf an, dem Nachwuchs (Jugendliche also nicht wesentlich unter 14 J.!) zu zeigen, wo Hip-Hop herkommt, was Hip-Hop ist und wie man anfängt mit Breaken, Rappen, Sprühen und DJ'n. Über diesen Weg ist es sehr wirkungsvolle Jugendarbeit. (...) Wenn man die Kids erstmal "angezeckt" hat, selbst was zu machen, und es zu ihrem Lebensinhalt wird, zu trainieren, zu schreiben, Hip-Hop zu leben, dann ist das die beste "Sozialarbeit", die man sich vorstellen kann."

"Unsere Workshops sind kurze Einführungen, keine langen Seminare, denn es soll die Jugendlichen motivieren, selbst aktiv zu werden, ihnen aber nicht sämtliche Techniken vorweg nehmen. Gut zu werden ist harte Arbeit und 90% Übung. Hip-Hop ist immer autodidaktisch gewesen und soll es eigentlich auch bleiben. Es gibt zahlreiche Jugendeinrichtungen, in denen regelmäßig Breakdance trainiert wird, oder wo Plattenspieler und Gesangsanlage vorhanden sind, und sich problemlose wöchentliche Cyphers für angehende Rapper und DJs machen lassen..."[14]

„Themen:
• DJing - Arbeit mit den Plattenspielern: Mixen, Scratchen, Backspins
• Breakdance - Electric Boogie oder Poplocking, Powermoves und Toprocks
• Rap-Texte schreiben, Spiel mit Sprach- und Musikrhythmus, Flow!

Zielgruppe:
Kinder und Jugendliche im Alter von 10-20 Jahren und Schüler/innen der 5.-12. Klassen.“[15]

Ein typischer Schul-Workshop mit dem Hip-Hop Mobil
Beginn: 10.00 Uhr
Der Workshop erstreckt sich über 3 Stunden und 3 Räume. Begonnen wird mit einer ca. ½stündigen Einführung in die Geschichte des Hip-Hop, dabei machen wir natürlich auch Einiges an den Plattenspielern und dem Mikrofon vor. Danach wird die Klasse in 3 Gruppen aufgeteilt: Die erste Gruppe geht in den Breakdance-Raum, die zweite Gruppe zum Texteschreiben/-Rappen und die dritte Gruppe bleibt im Raum zum DJ-Workshop. Nach 45 Minuten wird gewechselt, so dass nach gut zwei Stunden jede Gruppe einmal in jedem Workshop war. Danach finden sich alle wieder im DJ-Raum ein und zeigen möglichst vor der Klasse, was sie jetzt drauf haben.
Ende: 13.00 Uhr
Das Hip-Hop Mobil nimmt zwar gegen Anfahrts-, Honorar- und ggf. Übernachtungskosten (für 3 Personen) auch Aufträge von außerhalb Berlins an, doch steht dies nur als ein Beispiel für Angebote vieler Jugend- und Medieninstitutionen.[16]
http://www.hiphopmobil.de/index2.html (externer Link)

[1] ROOTS&ROUTES TV startet mit Festivalwoche in Köln (2007). In: JFC newsletter August 2007. URL: http://www.jfc.info/newsletter-id11-seite=2 (13.8.2007)
[2] Schule ohne Rassismus (2007) (Hrsg.): Zum Umgang mit Gangsta-Rap - Offene Diskussion statt Verbot. In: Presseerklärung vom 13.08.2007
[3] ebenda
[4] ebenda
[5] http://www.hiphopacademy-hamburg.de/academy.php (27.11.07)
[6] ebenda
[7] Das Projekt im Überblick (2007): URL: http://www.sponsoren-fuer-hamburg.de/index.php/blechbeat-studioworks--professionelle-studioarbeit-fuer-und-mit-jugendlichen (27.11.07)[8] Jürgen Macpolowski, Leiter des Clip im Interview mit W. Staufer von der BPjM am 12.6.2007
[9] Ziele der Arbeit (2011). In: Cultures-Interactive. URL: http://www.cultures-interactive.de (21.2.2011)
[10] http://www.poli-freunde.de/index.html?hiphop.htm (20.11.2007)
[11] Enxing, Vridolin (2002): Die Vorgeschichte, in: WestEndOpera. URL: http://www.kontrapunkt.muc.kobis.de/weo/vorgeschichte.htm (26.11.07)
[12] Enxing, Vridolin (2002): Das Ensemble, in: WestEndOpera. URL: http://www.kontrapunkt.muc.kobis.de/weo/vorgeschichte.htm (26.11.07)
[13] Vgl. Ulrich Gläss (2006): Konzept - Innovative Jugendbildungsarbeit, in: International Munich Art Lab (IMAL). URL: http://www.kontrapunkt.muc.kobis.de/SE/Resources/Pressemappe.doc (21.2.2011)
[14] Gauner (2006): Was wir sind. In: HipHop mobil. URL: http://www.hiphopmobil.de/ (21.2.2011)
[15] HipHop Mobil, URL: http://www.wetek.de/projekte/musik-kultur-veranstaltungen/hiphop-mobil.html [21.2.2011)
[16] Vgl. Ein typischer Schul-Workshop mit dem Hip Hop Mobil. URL: http://hiphopmobil.de/alt/index2.html (26.11.2007)