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Hörerziehung
Hören als Voraussetzung für die Aneignung von Sprache
Die Fähigkeit des "richtigen" Hörens ist eine Grundvoraussetzung des Sprachverstehens und der damit einhergehenden Aneignung von Sprache. Hören und Zuhören ermöglichen uns in der koordinierten Zusammenarbeit mit den anderen Sinnen (vor allem dem Sehen) eine uneingeschränkte Teilhabe an sozialer Interaktion und Kommunikation, aber auch ein Verstehen der uns umgebenden "Welt".
Die Grundlagen für den Erwerb von Hör- und Zuhörkompetenz sind uns zwar - einen gesunden Hörsinn vorausgesetzt - in die Wiege gelegt, die Kompetenz selbst muss aber erlernt werden. Dies ist eine Aufgabe der Hörerziehung.
Auch Zuhören will gelernt sein!
Hörerziehung setzt sehr früh an: Eltern fördern die Hörfähigkeit ihres Kindes, indem sie mit ihrem Baby sprechen, scherzen, ihm Lieder vorsingen, und ihm andere akustische Erfahrungen mit seiner Umwelt vermitteln. Die Hörerziehung setzt sich mit dem Vorlesen von Bilderbüchern und altersgerechten Geschichten fort. Eltern geben ihren Kindern nicht zu unterschätzende wertvollen Entwicklungsimpulse, wenn sie ihnen vorlesen: Das Hören von vorgelesenen Geschichten fördert Kinder im Erwerb von Sprach und Lesekompetenz, der Ausbildung ihres Gedächtnisses, der Entwicklung von Phantasie und der Fähigkeit des sich Hineinfühlens in das Denken und Fühlen anderer (Empathie).
Hörbücher können das Vorlesen ergänzen, nicht aber ersetzen
Das Hören von altersgemäßen und ausgewählten Hörbüchern oder Hörspielen kann Kindern ebenfalls viel Freude bereiten und zur Entwicklung der o. g. Fähigkeiten beitragen. Hörbücher und Hörspiele können allerdings nicht das Vorlesen durch enge Bezugspersonen wie Eltern oder Erzieherinnen im Kindergarten ersetzen, da ihnen elementare die Entwicklung des Kindes verstärkende Eigenschaften dieser Bezugspersonen fehlen. Besonders die Eltern vermitteln dem Kind durch Vorlesen oder auch Vorsingen das Gefühl einer tiefen Geborgenheit, Zuwendung, Zuneigung und Kommunikation. Es ist die enge Beziehung des Kindes zu seinen Eltern, welche die intensive Wirkung dieser Erfahrungen erst möglich macht. Außerdem können vorlesende Eltern die Geschichte auch mal unterbrechen, wenn das Kind Fragen dazu hat oder mit ihnen über einen Inhalt reden möchte. Damit erwirbt das Kind die Fähigkeit des aktiven, gestaltenden Zuhörens. Deshalb sollten Hörbücher und Hörspiele ungeachtet ihres unumstrittenen Wertes für die kindliche Entwicklung eher ergänzend zum Vorlesen eingesetzt werden.
Hören und Musikerziehung
Einen weiteren Beitrag zur Hörerziehung stellt die Musikerziehung in Familie, Kindergarten und Schule dar. Eltern müssen keine Musikpädagogen sein, um ihren Kindern Liebe zur Musik als Ausdrucksform von Gefühlen und Gedanken zu vermitteln. Wenn sie schon dem Säugling einfache Lieder vorsingen, später dann mit dem Kind gemeinsam singen und tanzen und ihm - allerdings ohne Zwang! - vielleicht sogar den Gebrauch eines Musikinstruments nahe bringen, haben sie alles getan, um in ihrem Kind die Liebe zur Musik zu wecken.
Musik und problematische Textbotschaften
Während man dem Achtjährigen das Hören von z. B. rassistischen oder Frauen verachtenden Musikstücken noch ohne weiteres verbieten kann, ist dies bei Jugendlichen nicht mehr so leicht möglich. In jedem Fall ist es sinnvoll, mit dem Kind bzw. dem Jugendlichen darüber zu reden, welche negativen Einstellungen zu anderen Menschen mit dieser Musik vermittelt werden und sie dazu zu bewegen, sich in die Situation Betroffener hinein zu versetzen. Des Weiteren empfiehlt es sich, mit anderen Eltern über dieses Problem zu sprechen, einen Elternabend zu diesem Thema anzuregen und die Lehrer darum zu bitten, sich im Unterricht mit den Botschaften einiger Musikstücke auseinanderzusetzen.
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