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Internet- und Handynutzung von Kindern und Jugendlichen
INTERNETNUTZUNG
Immer mehr und immer jüngere Kinder nutzen das Internet
Die Anzahl der Kinder, die das Internet regelmäßig nutzen steigt an, und der Einstieg erfolgt immer früher.
Während im Jahr 2006 erst 18% der 6-7-Jährigen im Internet unterwegs waren, nutzten im Jahr 2010 schon 25% dieser Altersgruppe das Internet. (KIM-Studie 2010, S. 30 Entwicklung Internet-Nutzer 2010/2008/2006).
Erste Erfahrungen mit dem Internet werden von immer jüngeren Kindern gemacht. Nicht nur in Deutschland ist dies der Fall, sondern in ganz Europa. Dieser Trend zu häufigerer Internetnutzung bei den jüngeren Kindern ist auch in der Studie EU Kids Online 2010 festgestellt worden: Das Durchschnittsalter der ersten Onlinenutzung liegt in Schweden bereits bei sieben Jahren, in einigen anderen nordeuropäischen Ländern bei acht Jahren. Europaweit nutzt bereits ein Drittel der 9- bis10-Jährigen Internetnutzer das Internet täglich, bei den 15- bis 16-Jährigen sind es 77%. (EU Kids Online 2010, S. 28) Die Onlinenutzung ist mittlerweile Bestandteil des Alltags der Kinder: 92% der 9- bis 16-Jährigen gehen zumindest wöchentlich online (57% jeden Tag oder fast jeden Tag) (ebenda, S. 29).
Internet ist für Jugendliche eine Selbstverständlichkeit
In Deutschland stellt sich die Situation wie folgt dar: Handy und Computer (100 %) und Internet (98 %) sind heute in fast allen Haushalten, in denen Jugendliche (12- bis 19 Jahre) aufwachsen, vorhanden (JIM-Studie 2010, S. 6). Nahezu alle Jugendlichen (96 %) gehen ins Internet: (Shell Jugendstudie 2010, S. 102), 79 % der Jugendlichen haben sogar einen Computer oder Laptop im persönlichen Besitz (JIM-Studie 2010, S. 25). Vom eigenen Zimmer aus kann mehr als jeder Zweite online gehen. Der Anteil der Intensivnutzer, die täglich bzw. mehrmals pro Woche online sind, liegt seit Jahren bei über 90 Prozent, wobei Jungen und Mädchen kaum einen Unterschied aufweisen (JIM-Studie 2010, S. 27). Die durchschnittliche tägliche Nutzungsdauer des Internets (Montag – Freitag) steigt weiter an und liegt nach Selbsteinschätzung der Jugendlichen derzeit bei 138 Minuten – im Vergleich zu 2008 ein Anstieg von 21 Minuten und zum Vorjahr von 4 Minuten“ (JIM-Studie 2010, S. 27 f.).
Jugendalltag vernetzt, mobil und kommunikativ
Das wichtigste Motiv für Jugendliche, das Internet zu nutzen, ist Kommunikation. Nach dem heutigen Stand der Jugendforschung verbringen sie die Hälfte des gesamten Zeitbudgets mit Kommunikation. Freunde sind so wichtig wie die Familie. Hundert und mehr Freunde in Sozialen Netzwerken wie schülerVZ oder Facebook sind üblich. Dabei trifft die Befürchtung, die jungen Leute würden zuhause vor dem Computer vereinsamen, nicht zu. Die Online-Kommunikation bereitet die Face-to-face-Kommunikation jeweils vor.
Soziale Netzwerke und Instant-Messenger sind zentrale Elemente der Online-Kommunikation Jugendlicher
84 Prozent der 12- bis 19-Jährigen kommunizieren inzwischen in Sozialen Netzwerken. Communitys haben Instant-Messenger wie ICQ und MSN verdrängt. Dennoch liegt die Internetnutzung unter dem europäischen Durchschnitt. Für die EU Kids Online-Studie wurden die 11 – 16-Jährigen nach Kompetenzen gefragt, „z.B. nach der Verwendung von Bookmarks, Filtern und Privatsphäreneinstellungen. Im europäischen Vergleich verfügen die deutschen Befragten über unterdurchschnittliche Fähigkeiten“ (EU Kids Online, erste Befunde 2010, Teil 2.).
Datensparsamkeit und Sicherheit
„watch your web“ als gemeinsame Aktion dutzender Institutionen im Jahr 2009, die sich mit der Medienkompetenzförderung von Kindern und Jugendlichen befassen, trägt Früchte: Mittels der Privacy-Optionen lässt sich - mehr oder weniger aufwändig - der Nutzerkreis persönlicher Daten einschränken. 2009 hatten nur 46 % aller Jugendlichen die Privacy-Option aktiviert, 2010 67 %! Mädchen von 50 % auf 72 %, Gymnasiasten von 50 % auf 73 % und sogar 18 – 19-Jährige von 45 % auf 71 %. (JIM-Studie 2010, S. 45). Ein Beispiel für Erfolge des deutschen Jugendmedienschutzes und der Kompetenzzunahme innerhalb der Peer-group, so dass Erziehende mehr Vertrauen in die sichere Internetnutzung ihrer Kinder haben können.
„Persönliche Daten wie die Adresse oder Telefonnummer geben nur 8 % in den Online-Netzwerken preis. 7 % geben ein falsches Alter an; im europäischen Durchschnitt tun dies immerhin 17 %“ (EU Kids Online, erste Befunde 2010, Teil 2.).
Onlinerisiken
„Nach eigenen Angaben haben 12% der europäischen Kinder und Jugendlichen zwischen 9 und 16 Jahren bereits Erfahrungen mit dem Internet gemacht, die sie unangenehm berührt oder verletzt haben; unter den 9- bis 10-Jährigen sind dies 9%.“ (EU Kids Online, erste Befunde 2010, Teil 1.2.). Die Kinder nennen am häufigsten die beiden Online-Risiken Online-Kontakte mit Fremden sowie Kontakte mit belastenden oder verletzenden nutzergenerierten Inhalten. „22% der 11- bis 16-Jährigen – diese Frage wurde nur den älteren Kindern gestellt – haben bereits Kontakte mit belastenden oder verletzenden nutzergenerierten Inhalten gemacht, darunter Hassforen (12%), Pro-Anorexia bzw. Magersucht (11%), Selbstverletzung (8%), Drogen (7%) und Selbstmord (5%)“ (EU Kids Online, erste Befunde 2010, Teil 1.3.).
Der strenge Jugendmedienschutz in Deutschland bis zur Indizierung jugendgefährdender Inhalte zeigt auch hier Wirkung: „Im Hinblick auf Erfahrungen mit Bildern mit sexuellem oder pornographischem Inhalt sind deutsche Kinder offenbar eher selten betroffen: 12% der 9- bis 12-Jährigen haben in den letzten 12 Monaten in irgendwelchen Medien solche Bilder gesehen; nur 5% gaben an, sie im Internet gesehen zu haben. Alle anderen Länder weisen höhere Werte auf“ (EU Kids Online, erste Befunde 2010, Teil 2.).
Kein Geschlechterunterschied in der Internetnutzung von Jungen und Mädchen
Geschlechtsspezifische Unterschiede, die in anderen Zusammenhängen bedeutsam sind, sind in der Internetnutzung fast völlig verschwunden. Und auch der Digital gap, die geringere Internetnutzung der Hauptschüler schleift sich ab: 12 % der Gymnasiasten und 25 % der Hauptschüler sind nicht vernetzt (JIM-Studie 2010, S. 41).
Computer-/Konsolen- und Onlinespieler
Allein beim Spielen zeigen sich die größere Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen: Unter Berücksichtigung aller Spielmöglichkeiten spielen 35 % der Jugendlichen täglich bzw. mehrmals pro Woche elektronische Spiele. Mit 55 % sind es deutlich mehr Jungen als Mädchen mit 14 %, die elektronische Spiele spielen. 20 % der Jugendlichen spielen überhaupt keine elektronischen Spiele. Nur bei 7 % der Jungen, aber bei 31 % der Mädchen ist dies der Fall. Mit zunehmendem Alter nehmen viele Jugendliche von der elektronischen Spielewelt Abstand. „So zählen bei den 12- bis 13-Jährigen nur zehn Prozent zu den Nicht-Spielern, bei den 18- bis 19-Jährigen sind es dann schon 30 Prozent. Ihre tägliche Spieldauer schätzen die Jugendlichen im Durchschnitt auf 65 Minuten unter der Woche (Mo-Fr), am Wochenende wird eine gute Viertelstunde länger gespielt (82 Min.)“ (JIM-Studie 2010, S. 36).
HANDYNUTZUNG
Jugend ohne Handy fast nicht mehr vorstellbar
Mit einer Ausstattungsquote von 97 % ist das Handy das am meisten verbreitete Medium unter Kindern und Jugendlichen.
Aufgrund ihrer vielfältigen Funktionen können moderne Handys als Multimediageräte bezeichnet werden. 90 % der Jugendlichen können Daten über die Bluetooth-Funktion übermitteln und eine Kamera ist für sie selbstverständlich. Die Handys der meisten Jugendlichen verfügen über MP3-Player bzw. Radio und werden entsprechend auch zum Abspielen von Musik genutzt. 80 % besitzen einen Internetzugang auf ihrem Handy und 25 % eine Ortungsfunktion über GPS. „Etwa jeder Zehnte kann sogenannte „Apps“ (zusätzliche Anwendungsprogramme, wie z.B. Fahrplandienste, Wettervorhersagen) auf das Handy laden und sich damit weitere Anwendungsmöglichkeiten erschließen“ (JIM-Studie 2010, S. 55).
Handy: ein Multimediagerät, das vorwiegend zur Kommunikation genutzt wird
Fast 80 % der Besitzer von Handys nutzen regelmäßig die meistfrequentierten Handyfunktionen SMS und Telefon. 63 % spielen mit dem Handy regelmäßig Musik ab und 37 % nutzen es mehrfach in der Woche zum Fotografieren oder Filmen. „Per Bluetooth überträgt ein Viertel MP3-Dateien, ein Fünftel Fotos oder Filme auf andere Geräte. Handyspiele nutzen 17 Prozent.“ (JIM-Studie 2010, S. 56).
Die technischen Möglichkeiten werden häufig auch mit Risiken in Verbindung gebracht, beispielsweise mit Cyber-Mobbing oder Gewalt. Die schnelle und scheinbar anonyme Verbreitung, der potentielle Personenkreis, die Permanenz über 24 Stunden pro Tag und die nicht mögliche Rückholbarkeit von Daten können zur Eskalierung einer Situation beitragen. Dennoch ist es eine wesentliche Erkenntnis der Studie EUKids online, dass das Risiko, Opfer von Cyber-Mobbing zu werden, bei nur 4 % liegt, ein Gegensatz zum Mobbing „offline“ in der Klasse, auf dem Schulhof oder in der Gruppe der Gleichaltrigen mit 18 %. Im europäischen Vergleich liegt Cyber-Mobbing bei 5 % wohingegen die sonstigen Formen des Mobbing bei 19 % liegen (EU Kids Online 2010, S. 69).
Die Entwicklung durch die rasch zunehmende Verbreitung der vielseitigen Smartphones muss von allem von den am Medienerziehungsprozess Beteiligten kritisch begleitet werden.
Literatur/Quellen:
- Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.) (2011): KIM-Studie 2010. Kinder + Medien, Computer + Internet. Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland. Stuttgart.
- Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.) (2010): JIM-Studie 2010. Jugend, Information, (Multi-)Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland. Stuttgart.
- EU Kids Online (2010): Risiken im Internet. Erste Befunde einer empirischen Untersuchung zur Onlinenutzung von Kindern und Jugendlichen. Überblick über europäische Ergebnisse und ausgewählte Befunde für Deutschland. Kap. 1.4. Zum Kontext der Internetnutzung). URL http://www.hans-bredow-institut.de/webfm_send/521 (31.1.2011)
- Sonia Livingstone, Leslie Haddon, Anke Görzig and Kjartan Ólafsson, with members of the EU (2010): The perspective of European children Initial findings from the EU Kids Online survey of 9-16 year olds and their parents. Kids Online network. URL: http://www.hans-bredow-institut.de/webfm_send/520 (31.1.2011)
- Shell Deutschland Holding (Hrsg.) (2010): 16. Shell Jugendstudie. Jugend 2010 - Eine pragmatische Generation behauptet sich. Albert/Hurrelmann/Quenzel/TNS Infratest. Frankfurt/Main.
Link zur Eingangsseite Internet und Handy: Chancen & Risiken


