http://www.bundespruefstelle.de/bpjm/Jugendmedienschutz-Medienerziehung/internet-handy,did=107938.html

Inhalt

Gewalt- und Pornovideos auf Schülerhandys: Was können Fachkräfte tun?

Es gibt kein Unterrichtsfach, in dem der verantwortungsbewusste Umgang mit dem Handy vermittelt wird. Daher hat die Schule nicht nur die Pflicht, sondern auch alle Chancen mit pädagogischen Mitteln auf Gewalt- und Pornovideos auf Schülerhandys zu reagieren, z.B. durch:

  • Unmittelbare Behandlung im Unterricht
  • Kooperation mit den Eltern
  • Schüler AG zur Umsetzung des Spezialwissens der jugendlichen Handynutzer
  • Handynutzungs-Ordnung
  • Erzieherische Maßnahmen
  • Schulrechtliche Maßnahmen
  • Zusammenarbeit mit Schulbehörde, Polizei und Staatsanwaltschaft (www.lehrer-online.de Recht/Handy)

Beispielhaftes Präventionsprojekt zu "sauberen Handys"
An der Alfred-Teves-Schule, einer Grund- und Hauptschule im niedersächsischen Gifhorn hat der Lehrer Marcus Lüpke ein umfassendes Präventionsprojekt entwickelt. Die Schule praktiziert dies nicht nur erfolgreich, sondern die Medienberichte darüber füllen inzwischen eine ganze Seite der Schulhomepage.

In acht Schritten zu "sauberen Handys" an Ihrer Schule
1.Schritt: Eine Projektgruppe zur Gewaltprävention gründen
2.Schritt. Die Lehrer informieren
3.Schritt: Auf die Verantwortung der Eltern bauen
4.Schritt: Eine Handy-Ordnung beschließen
5.Schritt: Gewaltprävention in den Stundenplan integrieren
6.Schritt: Schüler als Experten einbeziehen
7.Schritt: Medienkompetenz stärken
8.Schritt: Weiträumig vernetzen
(Quelle:http://www.alfred-teves-schule.de/ats2005/unterrichtspraxis/gewaltpraevention/pdf/schulleitung-intern2006.pdf)

Die Schulhomepage der Alfred-Teves-Schule www.alfred-teves-schule.de bietet zu "Gewaltvideos auf Schülerhandys" Materialien, Downloads, z.B. eine Lehrer-Powerpoint-Präsentation, TV-Berichte und neben vielem anderen das oben skizzierte Präventionsprogramm (www.alfred-teves-schule.de Gewaltprävention).

Illegale Inhalte auf mobilen Digitalgeräten von Schülerinnen und Schülern
Schulen ans Netz e.V. erläutert vor dem Hintergrund konkreter Vorfälle die rechtlichen Vorgaben und Handlungsmöglichkeiten für die Schulleitung und die Lehrkräfte.
Dort heißt es, der Gebrauch von Handys durch Schülerinnen und Schüler "liegt im Wesentlichen in dem Spannungsfeld zwischen den Aufsichts- und Überwachungspflichten der Schulleitung und der Lehrkräfte einerseits und dem mit dem Eigentum verbundenen grundsätzlich freien Nutzungsrecht der Schülerinnen und Schüler über die ihnen gehörenden Geräte und Datenträger andererseits. Grundsätzlich gilt, dass die Schülerinnen und Schüler für ihre mitgebrachten Sachen selbst verantwortlich sind. Schulleitung und Lehrern obliegt jedoch insbesondere dann eine Pflicht und zugleich eine weit reichende Befugnis zur Intervention, wenn durch die Nutzung der mitgebrachten Geräte oder Datenträger gegen Rechtsvorschriften verstoßen wird, (andere) Schülerinnen und Schüler gefährdet werden oder auch nur der geregelte Schulbetrieb hierdurch beeinträchtigt zu werden droht." (www.lehrer-online.de Recht/Stichwortverzeichnis: Handy/Illegale Inhalte auf mobilen Digitalgeräten von Schülern/Maßnahmen durch die Schulleitung und die Lehrkräfte)

Ausführlich werden schulrechtliche Maßnahmen mit Beispielen dargestellt von Erziehungsmaßnahmen bis zur zeitweisen Wegnahme von Gegenständen, von der Hinzuziehung der Polizei beim Verdacht von Straftaten bis zum Schulausschluss. Im zweiten Teil werden Nutzungsverbote und -Einschränkungen beschrieben. Ein "Mitbringverbot für mobile Digitalgeräte ist grundsätzlich denkbar, Handys sind dabei allerdings ein Sonderfall", da Eltern heute zumeist eine (ständige) Erreichbarkeit ihrer Kinder wünschen. Auch auf die Problematik der Durchführung mit entsprechendem Kontrollaufwand wird hingewiesen. Musterformulierungen für Nutzungsregelungen beschließen die Zusammenstellung.

Aktive Medienarbeit
Das zentrale Anliegen medienpädagogischer Arbeit ist es, Reflexionsprozesse bei Jugendlichen anzustoßen, ihr Unrechtsbewusstsein zu entwickeln, sie für Ursachen von Gewalt zu sensibilisieren und ihnen positive, kreative und aktive Zugänge zu den Medien zu erschließen. Jugendliche können zwar geschickt mit den neuen Medien umgehen, häufig fehlt es ihnen aber noch an Wert- und Normmaßstäben, um die Inhalte angemessen einzuschätzen und eine eigene wertorientierte Position entwickeln zu können. In aktiven Medienprojekten (wie z.B. Schulklassenprojekten zum Thema Handy auf www.jff.de) lernen sie Medien kritisch zu beurteilen und eigene kreative Formen des Umgangs mit ihnen zu entwickeln.

"Dein Leben - heute und morgen" ist das Thema des zweiten bundesweiten Handyclip-Wettbewerbs (bis 15.10.2006), den das "Medienzentrum München des JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis" in Zusammenarbeit mit "LizzyNet" und in Vorbereitung mit der Bundesinitiative "Jugend ans Netz" ausschreibt. Der Wettbewerb richtet sich an Jugendliche von 12 bis 20 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet. Gesucht sind kurze Clips, die mit dem Handy produziert wurden und entsprechend dem Motto den Blick Jugendlicher auf ihr Leben und ihre Zukunft zeigen. Zentrale Aussagen der Clips können Antworten auf gesellschaftliche, soziale und kulturelle Fragestellungen oder auch Statements wie "Die Welt liegt mir zu Füßen" sein. Die Clips müssen mit dem Handy aufgenommen und dürfen nicht länger als zwei Minuten sein. In diesem Zusammenhang bietet das JFF für Schulen sechsstündige Workshops an (www.jff.de).

Die Entwicklung des Handys vom Telefon zum Multimediazentrum, über das problematische Inhalte leicht verfügbar sind, bzw. selbst produziert und verbreitet werden können, macht es erforderlich, die Erkenntnisse über Chancen und Risiken im Umgang mit audiovisuellen Medien und dem Internet auf das Handy zu übertragen. Medienerziehung in der Familie muss hier durch schulische und außerschulische Medienarbeit ergänzt werden, damit Kinder und Jugendliche lernen, Medien kritisch zu beurteilen und kreative Nutzungsformen zu erproben - mit dem Ziel das Handy selbstbestimmt und verantwortungsvoll zu nutzen.

Aktuelle Forschungsliteratur

  • Bundesamt für Strahlenschutz, Deutsches Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF), Salzgitter 2006
  • Grimm P, Rhein St. Slapping, Bullying, Snuffing! - Zur Problematik von gewalthaltigen und pornografischen Videoclips auf Mobiltelefonen von Jugendlichen. Schriftenreihe der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) Band 1. Berlin 2007
  • Projekt für die Universität zu Köln, Gewalt an Schulen (http://www.gewalt-an-schulen.de/literatur.html)

Bücher und Broschüren

  • Anfang G., Demmler K., Ertelt J., Schmidt U. (Hrsg.) Handy - Eine Herausforderung für die Pädagogik. Materialien für Medienpädagogik Bd. 8. München 2006
  • Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz, Landesstelle NRW e.V. (Hrsg.) Gutknecht S. Gewalt auf Handys - Informationen für Schule, Jugendhilfe und Eltern. Köln, Essen 2006. 16 Seiten, kostenlos zu beziehen bei www.ajs.nrw.de
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) Handy ohne Risiko? Mit Sicherheit mobil - ein Ratgeber für Eltern. Berlin 2007

Weblinks zu weiteren Projekten

  • Projekt der Universität zu Köln (http://www.gewalt-an-schulen.de/initiativen.html)
  • Das Buddy-Projekt (www.buddy-ev.de/P%E4dagogen)
  • Schüler schaffen Frieden (www.klasse-schulmediation.de/index.htm)
  • Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage (www.aktioncourage.org/www.schuleohnerassismus.org/index.html)
  • EU-Projekt (http://conference4.bullying-in-school.info)

Weblinks zum Thema Handy

  • www.checked4you.de Online-Jugendmagazin der Verbraucherzentrale NRW, Magazin/Handy + Telefon
  • www.handywissen.info
  • www.mpfs.de Materialien/Infoset/Handy und Co. 10 Fragen

[Internet und Handy: Chancen & Risiken]



Bild mit Schriftzug 'Chancen & Risiken'


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