Service-Angebote
Inhaltsbereich
Handy als Multimediagerät - Chancen und Risiken
Eltern und Erziehende müssen ihre Kinder unterstützen, das Handy technisch, inhaltlich und auch unter finanziellen Gesichtspunkten verantwortungsbewusst zu nutzen. Handys dienen Eltern zur Beruhigung hinsichtlich der Erreichbarkeit ihrer Kinder. Außerdem ermöglicht das Handy Kindern und Jugendlichen die Kommunikation mit der Freundin oder dem Freund zu jeder Zeit und fördert über die Nutzung gleicher Funktionen oder den Austausch von Daten die Zugehörigkeit zu ihren sozialen Bezugsgruppen. Die technologische Entwicklung und die zunehmende Verfügbarkeit frei zugänglicher Inhalte bringen es dabei zwangsläufig mit sich, dass Kinder und Jugendliche immer früher lernen müssen, selbständig mit den Chancen und Risiken der Handy-Nutzung umzugehen.
Handykosten, Sicherheit - Risiken eingrenzen
Da Handys mittlerweile zu den alltäglichen Gebrauchsgegenständen zählen, entsteht schon bei Grundschulkindern der Wunsch nach einem eigenen Handy. Spezielle Kinderhandys mit geringer technischer Ausstattung haben sich in der Regel nicht bewährt, weil sie nicht den Vorstellungen der jungen Nutzer entsprechen. Die Notwendigkeit eines "Notfall"-Handys, z.B. bei Tätigkeiten der Erziehenden zu unregelmäßigen Zeiten, hängt vom familiären Alltag ab. Aus inhaltlichen, gesundheitlichen und Gründen des Jugendmedienschutzes überwiegen insgesamt die Bedenken, Kindern frühzeitig Handys zu überlassen (Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e.V. Hg., Handy in Kinderhand, München 2006).
Wenn später die Argumente für die Notwendigkeit der Handynutzung überwiegen, kommt den Themen Kosten und Sicherheit Bedeutung zu. In der Auseinandersetzung um die Frage der Handykosten und ihrer Begleichung können Kinder und Jugendliche den Umgang mit Geld erlernen. Dies betrifft auch die Unterscheidung zwischen tatsächlichen und vermeintlichen Bedürfnissen (Klingeltöne, Logos), die sich z.B. in teuren Abokosten niederschlagen können.
Mittel zur vernünftigen Kosten-Nutzen-Rechnung sind eine überlegte Vertragsgestaltung und Kalkulation der Folgekosten je nach Nutzung der Funktionen:
Das Handy mit aufladbarer Guthabenkarte (Pre-Paid-Karte) für Kinder und Jugendliche setzt sich dabei immer mehr durch (63 %). Die durchschnittlichen monatlichen Kosten für die Handynutzung betragen unverändert ca. 21 Euro und 82 % der jugendlichen Nutzer müssen sich an diesen Kosten beteiligen (mpfs, JIM-Studie 2005, S. 48-51). Handys mit Vertragsbindung, bei denen die Rechnungen von den Eltern bezahlt werden, sind daher wenig geeignet, den Umgang mit Geld zu lernen.
Die höheren Anschaffungskosten für ein Pre-Paid-Handy machen es erforderlich, gründlich über die Auswahl der benötigten Funktionen nachzudenken (je mehr, desto teurer wird das Handy). Für Pre-Paid-Handys gibt es keine Vertragsbindung und Grundgebühr. Außerdem werden die Nutzungskosten transparenter, weil sie über die Karte im Voraus bezahlt werden müssen. Damit ist auch einer "unerwarteten" Verschuldung von Kindern und Jugendlichen vorgebeugt.
Die Verbraucherzentrale NRW rät auf Handys mit voreingestellter Firmensoftware, sog. Branding-Handys, zu verzichten (www.verbraucherzentrale-nrw.de Medien + Telekommunikation/Mobilfunk).
Branding-Handys
Wenn der Markenname eines Produkts bekannt gemacht wird und die Marke mit Leben gefüllt wird, spricht man auch von Branding "Markenbildung" (www.handysektor.de). Manche Handys sind mit einer Software eines bestimmten Netzbetreibers versehen. So kommt man zum Beispiel mit nur einem Knopfdruck auf eine besonders zentral platzierte Taste ins Internet. Eine unangenehme Folge: Steckt das Handy in der Tasche, ohne dass die Tastatursperre aktiviert ist, so kann ein versehentlicher Druck auf die Taste zu hohen Kosten führen (www.bsi-fuer-buerger.de/handy/handytipps.htm).
Lassen Sie solche unerwünschten Funktionen sperren. Bei einigen Branding-Handys sind z. B. die Übertragung von Bildern per Kabel, Infrarot oder Bluetooth zum PC deaktiviert. Die Kunden werden so genötigt, die Bilder zum Archivieren über teure Media-Message-Service (MMS) des Mobilfunkanbieters zu versenden.
Berücksichtigen Sie bei der Wahl des Netzanbieters, dass Gespräche bei demselben Anbieter günstiger sind.
Handys geben elektromagnetische Energie ab! Deshalb empfehlen Experten, die Strahlenbelastung für den menschlichen Körper möglichst gering zu halten. Die höchste Strahlenbelastung besteht beim Wählen und bei schlechtem Empfang. Halten Sie Ihr Kind dazu an, zum Telefonieren Orte mit gutem Empfang aufzusuchen, das Handy beim Wählen noch nicht ans Ohr zu halten und beim Telefonieren auf genügend Abstand zwischen Handy und Kopf zu achten.
Die Handys haben sehr unterschiedliche Strahlungswerte. Beim Bundesamt für Strahlenschutz wird derzeit das "Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm" (www.emf-forschungsprogramm.de) durchgeführt. Informationen dazu und zu Grenzwerten strahlungsarmer Handys erhalten Sie auf der Homepage des Bundesamtes für Strahlenschutz (www.bfs.de/elektro/hff/modern_kommunikation.html).
Den Strahlungswert Ihres Handys können Sie unter www.handywerte.de abfragen.
Chancen nutzen!
Je jünger die Handynutzer sind, umso wichtiger sind ihnen Klingeltöne, Logos und Spiele. Daher lassen sich manche Anbieter eine Menge einfallen, um bei Kindern und Jugendlichen ständig neue Bedürfnisse zu wecken und diese gegen Gebühr zu befriedigen. Ebenso versuchen Sie über Sondernummern, Kontaktaufnahmen und sog. "Flirtlines", die Unerfahrenheit des jugendlichen Publikums kommerziell auszunutzen. Hier sollten Eltern ihre Kinder durch Information und Aufklärung unterstützen, unbeabsichtigte Abos kündigen und bereits eingezogene Gelder unter Berufung auf den "Minderjährigenschutz" zurückfordern.
Doch warum Klingeltöne oder Logos kaufen, wenn man sie selber machen kann? Kinder und Jugendliche entwickeln ohnehin große Fertigkeiten in der Bedienung neuer Medien und probieren gerne etwas Neues aus, vom SMS-Schreiben bis zum Fotografieren mit dem Handy. Den wirkungsvollsten Schritt zum kompetenten Umgang mit neuen Medien leisten Kinder und Jugendliche immer durch eigene Aktivität.
- my tone - Klingeltöne selber machen (www.netzcheckers.de Handy & Foto)
- Handylogo-Designer
- Ohrenblick mal! Handyvideo-Wettbewerb
- Musik aus dem Handy
(www.lizzynet.de Netz & Multimedia/Das große Handy-Special)
sind Beispiele aus der Fülle von Aktionen, kostenloser Software, technischen Hilfen und Wettbewerben mit attraktiven Gewinnen, die von einigen öffentlichen Institutionen (Siehe unten "Weitere Informationen") angeboten werden. Alles Dinge, die Kindern und Jugendlichen Spaß machen. Der Schritt vom passiven teueren Konsum zum aktiven und kreativen Umgang mit dem Medium Handy ist kurz, der Zugewinn an Wissen, Erkennen von Risiken und Gefahren und Ausnutzen der Chancen neuer Techniken ist aber um so größer.
Unter www.netzcheckers.de, dem Portal der "Bundesinitiative Jugend ans Netz", finden sich in der Rubrik "Handy & Foto" nicht nur viele dieser Aktionen, sondern auch Tipps und Links zu anderen Handyseiten. Das Online-Jugendmagazin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gibt Antworten auf technische Fragen und Anleitungen z.B. zum Selbermachen von Klingeltönen unter www.checked4you.de Magazin/Handy + Telefon.
Weitere Informationen für Eltern und Erziehende:
- www.handywissen.info
- www.lizzynet.de Netz & Multimedia
- www.handysektor.de
- www.mpfs.de Materialien/Infoset/Handy und Co. 10 Fragen
- www.bayern.jugendschutz.de unter Materialdienst "Medien allgemein" Handy in Kinderhand, auch als Broschüre, Hrsg.: Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e.V.; München 2006, 24 S. für 1 Euro.
Weitere Informationen
- Gewalt- und Pornovideos auf Schülerhandys - rechtliche Bewertung und medienpädagogischer Umgang - Einführung
- Rechtliche Bewertung
- Handy-Bullying
- Gibt es technische Barrieren?
- Gewalt- und Pornovideos auf Schülerhandys: Medienpädagogische Empfehlungen für Eltern
- Gewalt- und Pornovideos auf Schülerhandys: Was können Fachkräfte tun?


