Medienerziehung frühzeitig beginnen
Weniger Mediengewalt im Kindesalter ist besser! Deshalb beschränken viele engagierte Eltern und andere Erziehende aus gutem Grund den Mediengewaltkonsum ihrer Kinder ein und kommentieren brutale Szenen eindeutig. Diese Medienerziehung leistet einen Beitrag, die Entwicklung gewaltbestimmter Einstellungen und Verhaltensweisen bei den Kindern zu verhindern. Für den Erfolg der Erziehungsmaßnahmen ist es von großer Bedeutung, dass sie "auf das Alter und das Verständnis der Kinder zugeschnitten" sind (Kunczik/Zipfel, Langfassung [2010, S. 450]). "Wichtig ist aber dabei insbesondere, dass sie frühzeitig zum Einsatz kommen" (ebenda). Dies im wesentlichen aus drei Gründen: Durch frühzeitiges Erziehungshandeln kann verhindert werden, dass sich 1. eine Gewohnheit des Konsums gewalthaltiger Inhalte ausbildet und dass sich 2. eine Einstellung ausbildet, bei der Gewalt eine unangemessen große Bedeutung zukommt. Frühzeitiges Entgegenwirken ist 3. auch deswegen wichtig, weil mit dem Heranwachsen der Kinder "der Einfluss Gleichaltriger auf die Wahrnehmung von Medieninhalten an Bedeutung gewinnt und den elterlichen Einfluss überlagert" (ebenda).
Mediengewalt altersangemessen einschränken
Die Überblicksstudie "Medien und Gewalt" bestätigt, dass bei Kindern Verbote und Beschränkungen von Mediengewalt zur Vermeidung gewaltbestimmter Einstellungen und entsprechenden Verhaltens beitragen kann. Insbesondere bei jüngeren Kindern führen solche Erziehungsmaßnahmen zum Erfolg. "Bei älteren können sie dazu führen, dass das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern belastet wird. Die Kinder interpretieren dies als mangelnden Vertrauensbeweis" (Kunczik/Zipfel, Langfassung [2010, S. 441]). Zu restriktive Erziehungsmaßnahmen können somit ins Gegenteil umschlagen und eine genauso problematische Wirkung entfalten wie eine zu geringe Reglementierung des Mediengewaltkonsums. Es besteht die Gefahr, dass die Attraktivität der entsprechenden Medien und der problematischen Inhalte erhöht wird. Der Medienkonsum wird dann häufig auf den Freundeskreis verlagert und der Aufsicht der Eltern entzogen (ebenda S. 441 f.).
Gemeinsam Medien erleben und eindeutig kommentieren
Für Kinder ist die Erfahrung des gemeinsamen Fernsehens und gemeinsamer Kinobesuche mit den Eltern sehr wichtig. Sie fördert den selbstbewussten und kritischen Umgang mit Medien. Die mit Hilfe der Eltern zu erlernende Fähigkeit, kritisch mit Medien umzugehen, ist einer der wichtigsten Schutzmechanismen vor dem negativen Einfluss problematischer Medieninhalte. Verschiedene Untersuchungen zeigen eindeutig, dass gemeinsame Medienerfahrungen nur dann helfen, Gewaltdarstellungen (oder andere negative Inhalte) sinnvoll zu verarbeiten, wenn Eltern oder Erziehende die Gewalt eindeutig negativ kommentieren bzw. wenn sie das Kind für die Perspektive der Gewaltopfer sensibilisieren. Geschieht dies nicht, dann kann die Anwesenheit der Eltern bei Gewaltdarstellungen zum Beispiel im Fernsehfilmen als Billigung von Gewalt missverstanden werden (ebenda, S. 442 ff.). Eindeutige Botschaften der Eltern zu problematischen Mediendarstellungen sind also von entscheidender Bedeutung.
Quintessenz
Wenn Medienerziehung sehr früh beginnt, kann eine solide Basis für eine Zeit geschaffen werden, in der die Heranwachsenden stärker von ihrem Freundeskreis als von Elternhaus und Schule beeinflusst werden. Medienerziehung heißt: Über Medien reden. Vor allem kleine Kinder profitieren von Botschaften der Eltern in Form von Statements und Informationen. Je älter die Kinder werden, desto weniger Wirkung entfalten solche Botschaften. Älteren Kindern sollte die Gelegenheit gegeben werden, ihre Schlüsse selbst zu ziehen. Deshalb ist es sinnvoll, Kinder und Jugendliche zu unterstützen, sich aktiv und kritisch mit Medien auseinander zu setzen. Ein eigener Schülerzeitungsartikel, eine selbst gestaltete Website oder ein Rap zum Thema Gewalt wird von den meisten Jugendlichen nicht so schnell vergessen und macht Spaß.
Tipps für Eltern und Erziehende
Quellen/Literatur: