MICHAEL KUNCZIK / ASTRID ZIPFEL: MEDIEN UND GEWALT. BEFUNDE DER FORSCHUNG 2004-2009
Eltern, Erziehende und Lehrende werden bei vielen Gelegenheiten mit der Frage konfrontiert, ob und wenn, wie sich Szenen exzessiver Gewalt in Film und Fernsehen negativ auf Einstellung und Verhalten von Kindern und Jugendlichen auswirken. Neben sachlichen Artikeln, die in der Presse zu diesem Thema publiziert werden, gibt es immer wieder auch Veröffentlichungen, die Auswirkungen von Gewaltdarstellungen übertrieben aufgeregt schildern, aber auch solche, die mit eher verharmlosender Tendenz über diese Frage berichten.
Wenn man ein ausgewogenes Urteil darüber fällen will, wie Mediengewalt wirkt, ist eine Übersicht über die vielfältigen Ergebnisse der Medienwirkungsforschung hilfreich. Einen solchen Überblick über den Stand der Forschung gibt uns die Studie "Medien und Gewalt" von Prof. Dr. Michael Kunczik und Dr. Astrid Zipfel, Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Diese im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellte Studie untersucht die Zusammenhänge zwischen der Mediennutzung und der daraus resultierenden Gewaltbereitschaft und gibt einen umfassenden Überblick über den Stand der Medienwirkungsforschung. Ausgewertet wurden deutsch- und englischsprachige Untersuchungen, die zwischen 2004 und 2009 erschienen sind. Diese Studie setzt die gleichnamige, im Jahre 2004 veröffentlichte Untersuchung fort, welche die zwischen 1998 und 2003 erschienene Literatur auswertete.
Nach Lektüre der Studie lassen sich unter erzieherischen Gesichtspunkten zwei Leitgedanken als Schlussfolgerungen formulieren:
a) Es gibt gute Gründe für Unaufgeregtheit im Umgang mit problematischen Medieninhalten
Medieninhalte wirken nicht unabhängig von anderen Faktoren. Für die Wirkung von Medieninhalten ist auch entscheidend, unter welchen sozialen und persönlichen Bedingungen und wie oft bestimmte problematische Medieninhalte konsumiert werden. Brutale Filme schädigen Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung nicht unbedingt in jedem Falle. Es gibt also allen Grund, sich gelassen und unaufgeregt dem Thema zu widmen und einzelne Grenzüberschreitungen und Verbotsübertretungen von Kindern und Jugendlichen nicht zu dramatisieren.
b) Es gibt gute Gründe beim Medienkonsum der Kinder genauer hinzuschauen, Grenzen beim Konsum von Mediengewalt zu setzen und geeignete Alternativen anzubieten
Nach den Erkenntnissen der Wissenschaft kann der Konsum von Mediengewalt einen Einfluss auf die Aggressivität von Kindern und Jugendlichen haben (Kuncik/Zipfel, Kurzbericht [2010, S.13]). Bestimmte soziale und persönliche Bedingungen können das Risiko dafür erhöhen. Dies sind gute Gründe, als Eltern, Erziehende oder Lehrende genauer hinzuschauen, wenn Kinder und Jugendliche mit Medien umgehen, und den Konsum von Mediengewalt, insbesondere für jüngere Kinder, zu begrenzen und den Kindern für sie geeignete Alternativen anzubieten.
Quellen/Literatur: