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Fernsehen und Medienerziehung
Überlegte Auswahl statt Gewohnheit
Eltern wollen, dass sich ihre Kinder gut entwickeln. Dazu gehört nicht nur eine gesunde Ernährung, sondern auch eine gesunde Mischung aus unterschiedlichen Aktivitäten: Wichtig sind ausreichend Freiräume für soziale Kontakte, Sport, musikalische oder künstlerische Erfahrungen, aber auch für schulisches Lernen. Auch Fernsehen und andere mediale Erfahrungen können das Leben eines Kindes bereichern. Dies zeigt der Wunsch vieler Kinder sich über das im Fernsehen erlebte zu unterhalten. Nimmt die Mediennutzung (z.B. Fernseh-, Film- und Computerspielnutzung) jedoch überhand, so dass Freiräume für andere Aktivitäten fehlen, hat dies für den jungen Menschen ein Defizit an anderen Lebens- und Lernerfahrungen zur Folge. Dies kann zu Einschränkungen seiner Entwicklungs- und Lebensperspektiven führen. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder lernen, nicht Gewohnheit, sondern die überlegte Auswahl darüber entscheiden zu lassen, welche Fernsehsendung man sich ansieht. Die Fähigkeit, Medien bewusst zu nutzen und Medieninhalte gezielt auszuwählen, wird nicht durch den bloßen Umgang mit Medien erworben. Sie muss erlernt werden.
Das Vorbild der Erziehenden ist von hoher Bedeutung
Erleben die Kinder im Familienalltag, dass auch die Eltern bewusst auswählen, welche Medien und Medieninhalte sie nutzen, lernen sie von diesem Verhalten. Durch das eigene, die Kinder stärkende Vorbild wird es für Eltern und Erziehende leichter, mit ihren Kindern klare Regeln und Zeiten zur Fernsehnutzung zu vereinbaren und auf die Einhaltung dieser Regeln zu achten.
Welche zeitlichen Grenzen der Fernsehnutzung sind für Kinder sinnvoll?
Viele Eltern fragen sich, welche Grenzen bei der Fernsehnutzung für ihr Kind sinnvoll sind. Eine Antwort auf diese Frage ist immer auch abhängig von Lebensumständen, Temperament und anderen Eigenschaften des Kindes. Es sollte auch berücksichtigten werden, wie viel Zeit die/der Heranwachsende mit anderen Medien (Computerspiele) verbringt. Als Orientierung für Eltern und Erziehende sollen hier die Zeiten genannt sein, die die Initiative "SCHAU HIN" in ihrem Themenflyer TV (SCHAU HIN, Kindgerechter Umgang mit dem TV [S. 4]) empfiehlt:
- "Kinder unter drei Jahren brauchen kein Fernsehen.
- 4- bis 5-Jährige können bis zu 30 Minuten am Tag fernsehen, am besten mit einem Erwachsenen.
- 6- bis 9-Jährigen reichen fünf Stunden pro Woche.
- 10- bis 13-Jährige übernehmen immer mehr eigene Verantwortung. Achten Sie darauf, was und wie lange Ihre Kinder fernsehen."
Kinder vor ungeeigneten Fernsehinhalten schützen
Es ist nicht nur von Bedeutung, dass Eltern und Erziehende hinschauen, wie lange Kinder das Fernsehen nutzen, sondern auch welche Inhalte sie konsumieren. Soweit Altersempfehlungen vorhanden sind, sollten sie als wichtige Wegweiser beim Fernsehen beachtet werden. In dem Webangebot und in der Zeitschrift "Flimmo" finden sie pädagogische Empfehlungen zu Fernsehsendungen (siehe "Weitere Informationen"). Sendungen, die für Kinder unter 12 Jahren beeinträchigend sind, dürfen erst nach 20.00 Uhr gezeigt werden. Kinder, die spät fernsehen, sehen also womöglich ungeeignete Sendungen. Hierzu finden Sie weiterführende Erläuterungen auch im "Wegweiser Jugendmedienschutz" (siehe "Weitere Informationen").
Was tun, wenn Kinder mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert worden sind?
Auch wenn Erziehende sich aktiv um die Fernseherziehung kümmern, können Kinder mit ungeeigneten Inhalten konfrotiert werden. In diesen Fällen rät die Broschüre "Geflimmer im Zimmer" (BMFSFJ, Geflimmer im Zimmer [2009, S.27]): "Sollte Ihr Kind an gefährdende oder problematische Inhalte geraten, dann schaffen Sie Möglichkeiten, seine Erfahrungen auszuleben. Das kann im Rollenspiel mit Puppen oder Spielfiguren geschehen, aber auch kreativ durch Malen, Basteln, Schreiben, Video drehen etc. Älteren Kindern hilft es, das Gesehene zu besprechen, um es einordnen zu können. Gute Anknüpfungspunkte sind eventuell eigene Medienerlebnisse, die Sie selbst als Kind hatten."
Medienpädagogen raten: Kein Fernsehgerät ins Kinderzimmer!
Es ist zwar sinnvoll und wichtig, Kindern und Jugendlichen mit zunehmendem Alter wachsende Freiräume bei der Mediennutzung einzuräumen. Mit einem eigenen Fernsehgerät oder Spielecomputer im Kinderzimmer können sich Kinder aber völlig dem Blick der Eltern auf ihren Medienkonsum entziehen. Deswegen raten Medienpädagogen: Kein Fernsehgerät ins Kinderzimmer!
Literatur/Quelle:
- Projektbüro der Initiative "SCHAU HIN!" (Hrsg.), Kindgerechter Umgang mit dem TV. Tipps und Anregungen für Eltern. In: www.schau-hin.info. URL: http://schau-hin.info/fileadmin/content/pdf/downloadcenter/TV/index.html (8.2.2011)
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2009, 6. aktualisierte. Aufl.): Geflimmer im Zimmer. Informationen, Anregungen und Tipps zum Umgang mit dem Fernsehen in der Familie (Berlin)


