Die Nutzung von Medien besitzt einen herausragenden Stellenwert für das Freizeitverhalten, den schulischen Werdegang, die Ausbildung und die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen. Deshalb stellen wir Ihnen im Folgenden einige ausgewählte aktuelleStudien vor, die sich mit dem Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen sowie konvergenter Mediennutzung befassen.
Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest (MPFS)
Seit 1998 führt der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest regelmäßig Basisstudien zum Stellenwert der Medien im Alltag von Kindern (6 bis 13 Jahre) und Jugendlichen (13 bis 19 Jahre) durch. Neben einer aktuellen Standortbestimmung sollen die Daten zur Erarbeitung von Strategien und Ansatzpunkte für neue Konzepte in den Bereichen Bildung, Kultur und Arbeit dienen.
Sowohl die KIM- als auch die JIM-Studie sind Langzeitprojekte. So werden im Laufe der Jahre Trends und Entwicklungen sicht- und nachvollziehbar. In den einzelnen Untersuchungen werden aber auch einzelne aktuelle Fragestellungen aufgegriffen und näher analysiert.
„EU Kids Online 2010“ Größte Untersuchung zur Onlinenutzung von Kindern und Jugendlichen in der EU
2010 wurden erste Ergebnisse einer aktuellen, in Europa bisher einmaligen Untersuchung präsentiert, des EU Kids Online Netzwerks, „die im Rahmen des Safer Internet Programms der Europäischen Kommission gefördert wurde, um eine empirische Basis für politische Entscheidungen zum sicheren Umgang mit dem Internet zu schaffen. 23.420 repräsentativ ausgewählte Kinder im Alter von neun bis 16 Jahren, die das Internet nutzen, sowie je ein Elternteil wurden im Frühjahr/Sommer 2010 in 25 europäischen Ländern befragt. Die vorgestellten Ergebnisse beruhen auf einer Studie des Forschungsnetzwerkes EU Kids Online, das von der London School of Economics and Political Science (LSE) koordiniert wird und an dem Forschungsteams aus 25 Ländern sowie ein internationaler Beirat beteiligt sind. Deutsches Mitglied in diesem Netzwerk ist das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung in Hamburg.
In der Befragung ging es um folgende Online-Risiken: Pornographie, Bullying, sexuelle Nachrichten, Kontakt mit nicht persönlich bekannten Personen, Offline-Treffen mit Online-Bekanntschaften, potenziell belastende oder verletzende nutzergenerierte Inhalte sowie Missbrauch persönlicher Daten.“ (EUKids online, erste Befunde 2010, Teil 1.1.).
"Neue Wege durch die konvergente Medienwelt" - eine Untersuchung des Institutes für Medienpädagogik in Forschung und Praxis (JFF)
Ein charakteristisches Merkmal des Umgangs von Kindern und Jugendlichen mit Medien ist die sog. "konvergente" Mediennutzung: Dies bedeutet, dass Kinder und Jugendliche nicht - wie früher - auf ein Einzelmedium festgelegt sind, um ihren Filmhelden oder bestimmte der Serie zugehörige Inhalte zu erleben, sondern sie können auf ein Bündel unterschiedlicher Medien zurückgreifen, vom zugehörigen Computerspiel bis zum Federmäppchen und Spielfiguren aus Plastik, um sich mit dem Gegenstand ihres Interesses auseinander zu setzen.
Die Studie "Neue Wege durch die konvergente Medienwelt" ist die vorläufig letzte von drei Untersuchungen, die sich damit befassen, wie 11- bis 17-Jährige mit den ihnen dargebotenen Möglichkeiten in den Medien umgehen und wie sie die dort präsentierten Inhalte und Botschaften verarbeiten und zu ihrem Leben in Beziehung setzen. Mit diesem Forschungsansatz wird die Begrenztheit bisheriger auf Einzelmedien bezogener Untersuchungen überwunden.
Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist, dass der konvergenten Mediennutzung neben den Sozialisationsinstanzen Familie, Schule, Peer-group eine hohe Bedeutung für die Identitätsarbeit und die Identitätsbildung heutiger Kinder und Jugendlicher zukommt. Theunert/Wagner machen erkennbar, welche Häufungen wünschenswerter oder risikoreicher Effekte der konvergenten Medienwelt bei der Medienaneignung von Kindern und Jugendlichen zutage treten.
Literatur/Quellen:
Theunert H./Wagner U. (Hrsg.) (2006): Neue Wege durch die konvergente Medienwelt. BLM Schriftenreihe Band 85, München.