Noch bevor Mädchen und Jungen in die Grundschule kommen, machen sie wichtige und für die spätere Entwicklung entscheidende Erfahrungen im Umgang mit Medien. In den Familien werden zumeist vor dem 6. Lebensjahr der Kinder die wichtigsten Regeln und Gewohnheiten entwickelt und eingeübt, die den Medienkonsum der Heranwachsenden in den folgenden Jahren prägen. Man denke nur an die Fernsehgewohnheiten in Familien, Fernsehzeiten, Vorlieben für bestimmte Sendungen, aber auch an den Stellenwert von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften. Ebenso machen die meisten Kinder in der Vorschulzeit und zu Beginn der Grundschule die ersten bedeutsamen Erfahrungen im Umgang mit dem Computer.
Die wichtigsten medienpädagogischen Weichen werden in den Familien gestellt. Doch es fragt sich, ob es nicht wichtig ist, den Einfluss von Erziehenden und Lehrenden im Kindergarten und in der Grundschule im Sinne einer erfolgreichen Medienerziehung zu nutzen. Vieles spricht dafür, dass sie das Medienverhalten der Kinder weiter eher positiv beeinflussen können als die Kolleginnen und Kollegen in weiterführenden Schulen.
Einige Wissenschaftler und Pädagogen haben aber generelle Bedenken gegen den Einsatz von Computern in der Kindergarten- und Grundschulzeit. Ihr Argument: Kinder lernen in jungen Jahren Sprache und Kommunikation im direkten Miteinander und Grundfertigkeiten durch motorisches Einüben. Medienvermittelte Kommunikation ist in diesem Stadium des Lernens nicht notwendig und führt leicht zu Reizüberflutung und Konzentrationsstörungen. Außerdem ist der Computer nach den (motorischen und intellektuellen) Bedürfnissen der Erwachsenen konstruiert.
Andere wenden dagegen ein, dass Kinder in einer Welt leben, in der der Computer zum Alltag gehört und sie mit ihm so oder so konfrontiert werden. Nur wenn sie rechtzeitig den sachgemäßen Umgang mit dem Computer lernen, werden sie medienkompetent. Außerdem macht das Spielen mit dem Computer Spaß und die Lernfortschritte sind in den Kindergärten, die den Computer pädagogisch nutzen, deutlich zu beobachten. Gerade in Einrichtungen mit sozialer Kommunikation wie in Kindergärten ist der Einsatz des Computers als kreativitätsförderndes und lernanregendes Medium geeignet.
Was ist richtig, was sollen Erziehende und Lehrende tun?
Ganz sicher sind die Argumente beider Seiten ernst zu nehmen. Computernutzung in Kindergärten und Schulen als Allheilmittel zu betrachten und als den entscheidenden Schlüssel für die Verbesserung pädagogischer Erfolge ist sicher falsch. Wenn Kinder mittels Computer irgendwie "beschäftigt" ("ruhig gestellt") werden, ist der PC alles andere als ein Segen für die Kinder. Wenn durch den Umgang mit dem Computer die motorische Betätigung und die Aneignung konkreter Lebenserfahrung zu kurz kommt, so ist er für die Kinder nachteilig. Wenn Erziehende und Lehrende neue Medien einsetzen, ohne sich mit grundlegenden medienpädagogischen Empfehlungen vertraut gemacht zu haben, ohne ein Grundverständnis für das Medium erworben zu haben, wäre dies ein Experiment zu Lasten der Kinder.
Andererseits spricht im Medienzeitalter alles dafür, Erziehenden und Lehrenden medienpädagogische Kompetenz zu vermitteln und sie in Ausbildung und Schulungen mit grundlegenden medienpädagogischen Empfehlungen vertraut zu machen. Wenn zudem für die Kinder die Möglichkeit besteht, in einer "Medienecke" verschiedene Medien gezielt, zeitlich eng begrenzt und mit Betreuung nach vereinbarten Regeln zu nutzen, dann werden die von den Skeptikern befürchteten Nachteile des Einsatzes neuer Medien in Kindergarten und Grundschule vermieden, die Vorteile und Chancen aber genutzt.
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