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Faszination "Computerspiel": Frust und Flow
Frustration erleben, Frustration überwinden
Wer verstehen möchte, was an einem Computerspiel fasziniert, und versucht, sich mit den Regeln eines ihm unbekannten Spieles vertraut zu machen versucht, der wird die Antwort auf seine Frage nicht unmittelbar nach Spielbeginn erhalten. Denn in der Phase, in der ein Spieler herauszufinden versucht, wie ein neues Spiel „funktioniert“, erlebt er häufig Misserfolge und Frustrationen. Dies gilt vor allem dann, wenn der Spieler sich an ein neues Computerspielgenre heranwagt. Die frustrierenden Situationen führen häufig dazu, dass der Spieler das Spiel nach einiger Zeit beendet. Wird aber diese Phase der Frustrationen überwunden und werden die Anstrengungen, das Spiel zu beherrschen, von Erfolg gekrönt, zieht das Computerspiel den Spielenden häufig in den Bann. Hat der Spieler gelernt, das Spiel zu beherrschen und Kontrolle auszuüben, steigt die Motivation, die Erfolge immer wieder zu bestätigen und zu erneuern.
Der Flow: Verschmelzen mit dem Spiel
Um die eigene Kompetenz der Kontrolle über das Spielgeschehen genießen zu können und um sich dieses Gefühl zu erhalten, geht der Spielende voll in seiner Tätigkeit auf: Er erlebt etwas, was in der Wissenschaft "Flow" genannt wird. Beim "Flow" handelt es sich um einen emotionalen Zustand, bei dem der Spieler völlig mit dem Spiel verschmilzt. Sind die Spielenden im Flow, so gehen sie völlig in ihrer Aktivität auf. Das Computerspiel bietet ihnen laufend Herausforderungen, so dass keine Zeit für Sorgen darüber bleibt, keine Zeit darüber nachzudenken, was außerhalb dieser Aktivität wichtig wäre.
Die Frustrations-/Flow-Spirale
Der den Spielenden in gewissem Maße absorbierende Flow als Sogwirkung des Computerspiels entsteht nach Prof. Fritz durch zwei Teil-Funktionskreise: durch die Frustrations-Spirale und die Flow-Spirale. "Bei der Frustrations-Spirale führen negativ-emotionale Spielfolgen dazu, dass die (nicht erlangten) Spielreize immer begehrlicher werden und den Spieler "zwingen", immer mehr Zeit und Konzentrationskraft in das Spiel zu investieren. Die Flow-Spirale schöpft aus den positiv-emotionalen Spielfolgen die Erwartung, dass diese Lust sich immer wieder herstellen lässt. Deshalb bleibt der Spieler in der für ihn befriedigenden Spielaktivität. Er steigert die Intensität der sekundären Spielhandlungen durch noch größere Konzentration, um auch schwierigere Levels des Spiels in den Griff zu kriegen und im Flow zu bleiben. Im konkreten Spielgeschehen verbinden sich beide Teil-Funktionskreise miteinander und bilden dadurch die entscheidende Energiequelle für die Spielmotivation. Mal befindet sich der Spieler in der Frustrations-Spirale, mal in der Flow-Spirale. Das Überwinden der Frustrations-Spirale führt unmittelbar in die Flow-Spirale, und die Flow-Spirale birgt das unmittelbare Risiko in sich, in die Frustrations-Spirale zu geraten, wenn es nicht mehr gelingt, die Spielanforderungen zu erfüllen - durch Nachlassen der Konzentrationskraft etwa oder durch einen zu schwierigen Level. ... Die Wirkung der Computerspiele erwächst aus ihrer Fähigkeit, auf diese Weise Lebenszeit und Lebensenergie von Menschen zu binden" (J. Fritz, Zwischen Frust und Flow).
Empirische Untersuchungen geben Hinweise auf Flow-Erlebnisse beim Konsum von Computerspielen. Die Annahmen von Fritz, ein "Zwei-Wege-Generator" liefere die motivationale Energie für das Computerspielen, ist allerdings nicht empirisch belegt. Sie ist jedoch für das Verständnis der Dynamik des Computerspielerlebens hilfreich.


