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10 Tipps für Erziehende: Film und Fernsehen

Kaum ein anderes Medium ist in Haushalten und Familien so etabliert wie der Fernseher. Das Fernsehen bietet mittlerweile wertvolle, altersgerechte Sendungen für Kinder, die ihnen Bildung, Wissen, Unterhaltung und viel Spaß vermitteln. Andererseits sind die meisten Fernsehinhalte auf Bedürfnisse von Erwachsenen zugeschnitten und nicht immer für Kinderaugen (-ohren) bestimmt. So bleibt es nicht aus, dass bestimmte Fernsehsendungen (z. B. Krimis) Kinder erheblich überfordern und auch ängstigen können oder ihnen fragwürdige Normen des Zusammenlebens (z. B. Schadenfreude) vermitteln.
Die folgenden Tipps und die weiterführenden Links unterstützen Sie darin, den Fernseher so einzusetzen, dass er der Entwicklung Ihrer Kinder nutzt und die Wahrnehmung anderer wichtiger Lebensinteressen nicht beeinträchtigt.

  1. Ab wann ist es sinnvoll, Kinder fernsehen zu lassen?  Fachleute raten davon ab, Kinder im Alter von weniger als 3 Jahren fernsehen zu lassen. Bei unter Dreijährigen kann Fernsehen bleibende Schäden verursachen. Ab dem dritten bis vierten Lebensjahr können Kinder behutsam an das Fernsehen herangeführt werden. Dabei ist es sinnvoll, mit ihnen altersgerechte Kindersendungen mit langsamen Bildabfolgen auszusuchen, die sie verstehen können.

  2. Können Film und Fernsehen für mein Kind schädlich sein?
    Dem Alter und der Entwicklung Ihres Kindes nicht entsprechende Inhalte und eine zu zeitintensive Nutzung dieser Medien können die Entwicklung von Kindern beeinträchtigen: Wenn Ihr Kind häufig durch Film- und Fernsehinhalte überfordert oder verängstigt wird, problematische Inhalte konsumiert und es aufgrund zeitintensiver Nutzung dieser Medien zu wenige Freiräume für soziale und andere Aktivitäten hat, bringt dies Defizite an Lebens- und Lernerfahrungen mit sich und kann Einschränkungen seiner Entwicklungs- und Lebensperspektiven zur Folge haben.

  3. Wie kann ich meinem Kind einen sinnvollen Umgang mit Film und Fernsehen vermitteln?
    Wenn ein Kind in die Familie kommt, müssen wir uns auf erhebliche Änderungen unserer Lebensweise einstellen. Dies betrifft vor allem unsere Freizeitgestaltung, in der Medien eine erhebliche Rolle spielen. Ob ein Kind lernt, verantwortungsbewusst mit Film und Fernsehen umzugehen, ist maßgeblich von unserem elterlichen Vorbild abhängig.
    Es empfiehlt sich, gerade Vorschul- und Grundschulkinder pädagogisch empfehlenswerte Sendungen oder Filme sehen zu lassen, die sie nicht überfordern. Außerdem sollten Sie Ihr Kind bei seinen ersten Film- und Fernseherfahrungen begleiten, damit es mit Ihnen über seine Eindrücke reden und sie verarbeiten kann. In späteren Jahren sollten Sie den Kindern größere Freiräume in der Auswahl von Filmen, Fernsehsendungen und auch den Nutzungszeiten einräumen. Zur Vermittlung eines sinnvollen Umgangs mit Film und Fernsehen gehört auch, dass der Fernseher nicht als Babysitter eingesetzt wird, um die Kinder zu beschäftigen.
  4. Was sollten Eltern und Erziehende beachten, wenn sie Regelungen für die Sehzeiten treffen?
    Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind klare Regeln (und achten Sie auf deren Einhaltung), welche Medien und Medieninhalte wann und wie lange genutzt werden dürfen. Als Orientierung für Eltern und Erziehende sollen hier die Zeiten genannt sein, die die Initiative "SCHAU HIN" in ihrem Themenflyer TV (SCHAU HIN, Kindgerechter Umgang mit dem TV [S. 4])  empfiehlt:
    • "Kinder unter drei Jahren brauchen kein Fernsehen. 
    • 4- bis 5-Jährige können bis zu 30 Minuten am Tag fernsehen, am besten mit einem Erwachsenen. 
    • 6- bis 9-Jährigen reichen fünf Stunden pro Woche.
    • 10- bis 13-Jährige übernehmen immer mehr eigene Verantwortung. Achten Sie darauf, was und wie lange Ihre Kinder fernsehen."
    Berücksichtigen Sie bei der Festlegung der Zeiten auch die Nutzung von anderen Medien wie Internet oder Computerspiele.
    Die Vereinbarungen über Film- und Fernsehzeiten sollten bei älteren Kindern ein Wochenbudget und keine einheitliche tägliche Höchstgrenze vorsehen, damit sie lernen, ihre Zeiten der Mediennutzung mit den unterschiedlichen Schul- oder Freizeitverpflichtungen an einzelnen Wochentagen zu vereinbaren.
  5. Was muss ich bei der Auswahl von Fernsehsendungen für Kinder beachten?
    Schon im Tagesprogramm finden sich Sendungen, die insbesondere von kleineren Kindern nicht verstanden werden oder bei denen Sie festellen, dass sie ihr Kind negativ beeinflussen.
    Flimmo zeigt Ihnen, welche Sendungen für Kinder nicht geeignet sind und nennt Ihnen auch die Gründe dafür. Empfehlungen zu geeigneten Fernsehsendungen für Ihre Kinder finden Sie ebenfalls bei FLIMMO.
  6. Was kann ich tun, wenn ich nicht damit einverstanden bin, dass sich mein Kind bei einem Freund ungeeignete Fernsehinhalte und Filme ansehen kann?
    Zuallererst sollten Sie Ihrem Kind deutlich machen, warum es sich bestimmte Fernsehformate oder Filme nicht ansehen darf. Dann hat es eher die Chance, sich davon zu distanzieren. Außerdem empfiehlt es sich, den betreffenden Eltern deutlich zu machen, warum Sie es nicht wollen, dass Ihr Kind Fernsehsendungen und Filme sieht, die nicht geeignet sind. Wenn auch dies nicht hilft und der besagte Freund mit Ihrem Kind in eine Gruppe/Klasse geht, ist es ratsam, im Kindergarten oder an der Schule einen Eltern/Themenabend zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen anzuregen. Ein gut geleiteter Themenabend kann Eltern helfen, gemeinsame Strategien zur Erziehung bzw. Medienerziehung ihrer Kinder zu entwickeln. Ein generelles Umgangsverbot mit diesem Freund kann nur der letzte Schritt sein.
  7. Ist es sinnvoll, einem Kind einen Fernseher ins Kinderzimmer zu stellen?
    Fachleute raten dringend von einem Fernseher im Kinderzimmer ab. Wenn Ihr Kind einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer hat, verlieren Sie Ihren Einfluss darauf, was es sich ansieht. Deshalb: Bitte keinen Fernseher ins Kinderzimmer!

  8. Was muss ich bei Kinobesuchen von Kindern und Jugendlichen und bei der Auswahl von Filmen für sie beachten?
    Ein Kind oder Jugendlicher darf im Kino nur Filme mit einer Alterskennzeichnung sehen, die seinem Alter entspricht oder sie unterschreitet.
    Die "Parental-Guidance"-Regelung gibt Eltern von Kindern ab 6 Jahren die Möglichkeit, mit ihnen einen Film im Kino zu sehen, der ab 12 Jahren freigegeben ist. Dabei sollten Sie allerdings den Entwicklungsstand Ihres Kindes berücksichtigen und erhebliche Vorsicht walten lassen.
    Wenn Sie für Kinder oder Jugendliche Filme (DVD, Video) kaufen wollen, sollten diese auf jeden Fall ein Alterskennzeichen der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) tragen, das ihrem Alter entspricht. Die Altersfreigaben der FSK sagen allerdings nichts über den pädagogischen Wert eines Films aus, sie sind keine pädagogischen Empfehlungen! Daher ist es sinnvoll, sich auch an pädagogischen Empfehlungen zu orientieren.
  9. Was leisten pädagogische Empfehlungen zu Film und Fernsehen?
    Pädagogische Empfehlungen informieren darüber, ob die Inhalte von Filmen bzw. Fernsehsendungen den intellektuellen Fähigkeiten von Kindern der unterschiedlichen Altersgruppen entsprechen, ihnen Freude bereiten, Fähigkeiten fördern und Kenntnisse vermitteln. FLIMMO geht neben pädagogischen Empfehlungen auch auf „Angebote und Darstellungsformen des Fernsehens ein, die Kindern zu schaffen machen und erläutert die Gründe.“
  10. Was ist sonst noch zu beachten?
    Bewegung und frische Luft sind für die Entwicklung Ihres Kindes ebenso wichtig wie musische und kreative Betätigung oder gemeinsames Spielen in der Familie und mit Gleichaltrigen. Wenn wir unseren Kindern diese wichtigen Impulse für ihre Entwicklung geben, werden sie eher ein ausgewogenes, ihre Entwicklung unterstützendes Verhältnis zwischen Mediennutzung und der Wahrnehmung anderer wichtiger Lebensinteressen finden können.