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Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendmedien­schutzes, Prävention und Öffentlichkeitsarbeit

Gesellschaft findet in einer zunehmend digitalen und vernetzten Welt statt. Insbesondere die Lebensrealitäten von Kindern und Jugendlichen sind durch die aktuellen Medienentwicklungen einem starken Wandel unterworfen. Spätestens der Einzug des Web 2.0 führte zu einem Paradigmenwechsel und nicht zuletzt zu einer neuen Qualität von Risiken.

Phänomene wie Cybermobbing, Grooming und Hate-Speech, aber auch Big Data, digitale Informationskanäle und Social Media sowie die zukünftige Entwicklung virtueller Realitäten sind der Maßstab für die aktuellen, insbesondere aber auch zukünftigen Anforderungen an einen wirkungsvollen Jugendmedienschutz.

Die besonderen Anforderungen liegen dabei im Spannungsfeld zwischen Schutz von Kindern und Jugendlichen durch Abschirmen vor diesen Risiken und der Ermöglichung von Teilhabe durch Befähigung.

Jugendmedienschutz in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft kann Kindern und Jugendlichen keine abschließende Sicherheit geben. Jugendmedienschutz kann jedoch gleichwohl verantwortungsvoll und damit zukunftsfähig gestaltet werden, indem eine zielgruppenorientierte Gesamtstrategie zugrunde gelegt wird, die entsprechend der Vielschichtigkeit der Risiken und Gefährdungslagen ein ebenso vielschichtiges intelligentes Risikomanagement garantiert. Dies erfordert die Bündelung bewährter, wie auch neu zu entwickelnder Lösungsansätze, die notwendigerweise regulatorische, technische und pädagogische Instrumente vorsehen. Dies wiederum kann nur unter Berücksichtigung der jeweiligen Zuständigkeit durch eine konzertierte Aktion aller relevanten Akteure gewährleistet werden.

Der Fachbereich „Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendmedienschutzes, Prävention, Öffentlichkeitsarbeit“ hat deshalb die Aufgabe, auf der Grundlage des gesetzlichen Auftrages der BPjM die aktuellen und künftigen Herausforderungen an einen zukunftsfähigen Jugendmedienschutz zu gestalten.

So gilt es die Wertentscheidungen, Erkenntnisse und Ergebnisse der Indizierungspraxis durch eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit für den gesellschaftlichen Wertediskurs sowie die medien- und präventivpädagogische Praxis nutzbar zu machen. Dies gilt auch für die Weiterentwicklung von technischen Schutzoptionen und Beratungsangeboten.

Die Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendmedienschutzes ist zuvörderst Aufgabe der Kinder- und Jugendpolitik im Verbund mit Aufsicht und Anbietern. Nachfolgend beschriebene mittelfristige Strategie- und Programmplanung dient der Umsetzung der mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hierzu geschlossenen Zielvereinbarung (PDF, 180 kB).

Hierfür fördert die Bundesprüfstelle eine gemeinsame Verantwortungsübernahme von Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Zu diesem Zweck werden Vernetzungsstrukturen aufgebaut, die die gemeinsame Verantwortungsübernahme operativ ermöglichen.

Ein zukunftsfähiger Jugendmedienschutz muss vom Kind aus gedacht werden. Den in eigener Zuständigkeit gestalteten Prozess zur Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendmedienschutzes richtet die BPjM deshalb an den in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschriebenen Rechten von Kindern auf Förderung, Schutz und Teilhabe aus. Förderung, Schutz und Teilhabe bestimmen ganz selbstverständlich auch die Rechte von Kindern im digitalen Raum.

Der Dreiklang aus Schutz, Förderung und Teilhabe entsteht keineswegs aus isoliert zu betrachtenden Rechten, vielmehr stehen diese in ausgeprägter Wechselwirkung.

Im Rahmen des Dialogformats „ZUKUNFTSWERKSTATT“ wird als Grundlage für die bestmögliche Umsetzung der digitalen Kinderrechte und als Teil eines kinder- und jugendpolitischen Strategieprozesses, an dem sich zahlreiche Akteure der Kinder- und Jugendpolitik beteiligen, ein sog. Gefährdungsatlas erarbeitet.

Schutz im digitalen Raum erfordert eine umfassende Definition der zu schützenden Güter, die für eine ungestörte Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wesentliche Bedeutung haben. Unter Fokussierung der durch die Digitalisierung neu hinzugekommenen Risiken, sind hiervon die Gefahren abzuleiten, vor denen Kinder und Jugendliche zu schützen sind. Dies wiederum ermöglicht das Ableiten geeigneter Maßnahmen sowie die Benennung der Zuständigkeit für deren Umsetzung.

Dabei gibt es bereits Maßnahmen, die als wirkungsvolles Instrument zum Schutz von Kindern und Jugendlichen anerkannt sind. Diese sollen im Rahmen der „ZUKUNFTSWERKSTATT“ weiterentwickelt werden.

Wirksamer Schutz im digitalen Raum bedarf des Zugangs zu kindgerechten Surf- und Interaktionsräumen. Im Rahmen der Zukunftswerkstatt wird die Idee des Kinderinternets als Schutzraum weiterentwickelt.

Mit zunehmendem Alter entwachsen Kinder dem Bedarf nach abgeschlossenen Schutzräumen. In dieser Phase haben Kinder und Jugendliche ein (digitales) Recht auf Förderung. Damit sich Kinder und Jugendliche in einem wachsenden Aktionsradius innerhalb digitaler Räume sicher bewegen können, bedarf es einer Unterstützung von Eltern und Erziehenden in der Medienerziehung und natürlich der Kinder selbst. Orientierungshilfen erleichtern Eltern und Erziehenden eine verlässliche Begleitung ihrer Kinder, die sie zu einem sicheren Navigieren und zunehmender Eigenständigkeit befähigt. Eine Unterstützung in der Auswahl geeigneter Angebote für ihre Kinder befähigen Eltern und Erziehende ebenso wie Altersklassifizierungen oder Gütesiegel für Anbieter, die einen besonderen Schutzstandard bieten, ihre Kinder im Rahmen der Medienerziehung zu fördern. Im Rahmen der „ZUKUNFTSWERKSTATT“ soll insbesondere der Dialog zwischen den Akteuren der Kinder- und Jugendpolitik sowie den Anbietern gefördert werden. Gute Ergebnisse sind hier durch ein Zusammenwirken von Staat, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zu erzielen.