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Warum sind Computerspiele für Spielerinnen und Spieler attraktiv?
Vielfältigkeit von Computerspielen
Das Computerspiel gehört mittlerweile zum (Medien-)Alltag unserer Gesellschaft und ist zu einem Massenphänomen geworden. Warum aber spielen so viele Menschen am PC, an der Konsole oder am Gameboy? Was macht Computerspiele so attraktiv?
- Computerspiele fragen vielfältige und unterschiedliche Fähigkeiten ab: manuelle Geschicklichkeit, Reaktionsschnelligkeit, taktisches Geschick, räumliche Orientierungsfähigkeit, Ressourcenmanagement und Planungsgeschick. Da die Spieler aus unterschiedlichen Spielen auswählen und im einzelnen Spiel unterschiedliche Levels (Schwierigkeitsgrade) nutzen können, können sie zielgerichtet ihre Fähigkeiten anwenden und erweitern.
- Computerspiele kombinieren die Eigenschaften anderer Medien (Comics, Filme, TV, Brettspiele, Rollenspiele) miteinander. Dieser Umstand macht es dem Computerspieler oder der Computerspielerin möglich, Spiele zu wählen, die seiner oder ihrer Vorliebe für eine oder mehrere der oben genannten Medienformen und Medienhelden (z. B. Star Trek, Herr der Ringe) entsprechen.
- Das Computerspiel bietet die Möglichkeit, das eigene Hobby oder eigene Wunschträume virtuell zu erleben: Man kann seinen Lieblingsverein trainieren, sich in die Rolle von Michael Schumacher begeben, sich in die Römer- oder Ritterzeit zurückversetzen oder eine eigene Familie "managen".
Die Vorlieben der Spielerinnen und Spieler für bestimmte Computerspiele ist abhängig von ihren individuellen Voraussetzungen, Fähigkeiten und Vorlieben. Die Inhalte der von Jungen bzw. Mädchen genutzten Computerspiele zeigen große geschlechtsspezifische Unterschiede: „Mädchen und junge Frauen begeistern sich vor allem für Strategie-, Geschicklichkeits- und Karaokespiele und finden zunehmend auch an Sportspielen mit der Wii-Konsole Gefallen. Jungen präferieren nach wie vor Shooter- und Actionspiele und können sich für Fußball oder Autorennen begeistern“ (JIM-Studie 2009).
Macht und Wettbewerb im Computerspiel
"Macht", das heißt die Fähigkeit ein Ziel zu erreichen, und "Wettbewerb" sind Faktoren, die nicht nur die Motivation von Computerspielern bestimmen. In jeglichem Spiel haben "Macht" und in den meisten auch "Wettbewerb" zentrale Bedeutung. Spiele greifen so Elemente auf, die das Leben von Menschen grundsätzlich prägen.
Computerspiele bieten dem menschlichen Bedürfnis, im Spiel Ohnmacht zu überwinden, Macht zu erfahren, Kontrolle auszuüben und sich im Wettbewerb zu bewähren eine geeignete Bühne. Die Spielenden können sich - je nach individuellem Wunsch und Bedürfnis - als Kämpfer, Feldherr, Unternehmer, Autorennfahrer, Kolonisator oder in einer anderen Rolle ausprobieren und bewähren. Der Computer ist einerseits ein unerbittlicher und unbestechlicher Richter: Wenn der Spieler sich im Spiel nicht bewährt, ereilt ihn als Kämpfer der Tod, als Unternehmer der Ruin und als Rennfahrer die Niederlage. Andererseits hat im Offlinespiel der Spieler im Unterschied zum realen Leben immer wieder die Chance, sein Leben neu zu beginnen oder - durch Rückgriff auf den letzten Speicherpunkt - die Aufgabe immer und immer wieder neu zu probieren, bis er Erfolg hat und sich ein wenig wie Napoleon, Rockefeller oder Schumacher fühlen kann. Spielt der Spieler aber wettbewerbsorientierte Spiele online, so befindet er sich häufig über Wochen im realen Wettbewerb mit anderen Spielern. Dies schafft Spielbindung und führt dazu, dass das Spiel den Spieler auch dann gedanklich beschäftigt, wenn er nicht am Computer oder der Konsole sitzt.
Kommunikation und soziale Gemeinschaft in (Online-)Computerspielen
Wer ein Strategiespiel, Shooter, Sport- oder Rollenspiel online spielt, begibt sich in einen sozialen Raum. Er trifft auf andere – bekannte oder unbekannte – Menschen, die auf ihn reagieren, die ihn bewerten und mit ihm kommunizieren. Durch die Möglichkeit der schriftlichen Kommunikation mit spielinternen Mails, im Chat und in Foren sowie die akustische Kommunikation mittels Headset erweitert sich das (Produkt-)Angebot „Computerspiel“ und es entsteht neben dem eigentlichen regelbasierten Spiel eine soziale Gemeinschaft als ein zweiter Produktbestandteil. In vielen Onlinespielen können Spieler Gefechte oder Spielrunden in Teams oder Gruppen gemeinsam austragen bzw. sich in längerfristigen sozialen Zusammenhängen organisieren. Diese sozialen Gemeinschaften werden u.a. Gilden, Allianzen oder Clans genannt. Die Kommunikation in Online-Computerspielen und das Miteinander in sozialen Gemeinschaften schaffen gerade für junge Menschen attraktive Möglichkeiten, sich in neuen Rollen auszuprobieren. Aber vor allem für die, die in Schule, Ausbildung oder Beruf Außenseiter sind und wenig sonstige soziale Bezugspunkte haben, bieten Online-Spiele auch Versuchungen, sich vom „wirklichen“ sozialen Leben zurückzuziehen und in die virtuelle Welt zu flüchten.
Computerspiele als leicht verfügbare Mittel gegen Langeweile
Ein nicht zu unterschätzendes Motiv für das Spielen in der virtuellen Welt ist das Vertreiben von Langeweile. Zwar ist es häufig mühsam, ein neues Computerspiel beherrschen zu lernen. Bereits bekannte Computerspiele bzw. Computerspielgenres sind aber vor allem wegen ihrer leichten und sofortigen Verfügbarkeit attraktiv. Langwierige Vorbereitungen, wie diese z.B. für ein Fußballspiel oder ein Billard-Turnier erforderlich sind, sind für den Gang an den PC oder die Konsole nicht notwendig.


